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PEZZ Newsletter - Juni 2013

Sehr geehrte Damen und Herren
Liebe Familien, liebe Kolleginnen und Kollegen

Die Pubertät und Adoleszenz ist eine ganz besondere Zeit. Der Körper verändert sich von Tag zu Tag, und immer wieder stellt sich dem Jugendlichen die Frage, ob denn diese Veränderungen, die einfach so geschehen, wirklich normal sind. Er oder sie vergleicht den sich ändernden Körper immer wieder neu mit weiblichen oder männlichen Idealbildern.

In diesem Newsletter finden Sie einige Gedanken über die normale Pubertätsentwicklung und ihren Störungen.

Mit herzlichen Grüssen


Prof. Dr. med. Urs EiholzerDr. med. Udo Meinhardt
Leiter PEZZ

 

 

Normale Pubertätsentwicklung

Bei Mädchen beginnt die Pubertätsentwicklung durchschnittlich im Alter von 11 Jahren mit der Entwicklung der Brust, dem Wachsen der Schambehaarung und einer Beschleunigung des Wachstums. Mit 13 Jahren tritt in der Regel die erste Periode ein, mit 15 Jahren ist das Wachstum abgeschlossen, und die fruchtbaren Zyklen werden häufiger, was sich an einem regelmässigen Menstruationszyklus zeigt.

Bei Knaben beginnt die Pubertät im Durchschnitt mit 13 Jahren (2 Jahre später als bei Mädchen) mit der Vergrösserung der Hoden und dem Wachsen der Schambehaarung. Mit 14 bis 15 Jahren erreicht die Pubertät ihren Höhepunkt, die Wachstumsgeschwindigkeit ist maximal, der Stimmbruch und der erste Samenerguss treten ein. Mit 17 Jahren sind Wachstum und Pubertätsentwicklung in der Regel abgeschlossen.

Weitere Veränderungen

Die Ausschüttung von Sexualhormonen bewirkt bei Jungen eine Veränderung der Körperzusammensetzung zu Gunsten von Muskelmasse,  bei Mädchen zu Gunsten von Fettgewebe. Vor der Pubertät beträgt die Zunahme der Muskelmasse pro Jahr etwa 5 Prozent, während des Pubertätswachstumsspurtes bis zu 25 Prozent.

Durch den verstärkten Einfluss männlicher Geschlechtshormone verändert sich auch die Haut. Pickel und Mitesser entstehen häufig während der Pubertät. Betroffen sind die Talgdrüsen, die durch vermehrte Talgproduktion und übermäßige Verhornung verstopfen.

Mädchen wachsen in der Pubertät ca. 8 cm und Jungen ca. 10 cm pro Jahr. Das Wachstum findet zum Leid vieler Jugendlicher nicht synchron statt. Es kommt zu vorübergehenden Verschiebungen in den Körperproportionen. Zuerst wachsen nämlich Kopf, Hände und Füße. Der Oberkörper wächst hingegen erst gegen Ende der Pubertät völlig aus. Darum ist es typisch für die Pubertät, dass Jugendliche ungelenk wirken.

Das biologische und das tatsächliche Alter

Bei einigen Kindern hält sich der Körper nicht so genau an die Zeit, die durch Geburtstage und Kalender vorgegeben wird. Wenn es der Körper eilig hat, lässt er die Entwicklung beschleunigt ablaufen. Wenn die Pubertät früh beginnt, ist das Wachstum aber auch früh zu Ende.  Beginnt dagegen die Pubertät erst spät, dann endet das Wachstum ebenfalls erst spät.

Wann ist eine Abklärung sinnvoll?

Als zu früh und damit abklärungs- und möglicherweise behandlungsbedürftig gilt bei Mädchen der Eintritt der Pubertätsentwicklung vor dem 8. und bei Knaben vor dem 10. Geburtstag. Zu spät gilt bei Mädchen, wenn bis zum 13. Lebensjahr keine Anzeichen einer Brustentwicklung vorhanden sind oder wenn nach dem 15. Lebensjahr die erste Periode noch nicht eingetreten ist. Bei Knaben zeigen sich die ersten Zeichen der Pubertätsentwicklung diskreter. Wenn aber bis zum 16. Geburtstag keine sichtbare Pubertätsentwicklung in Gang gekommen ist, wäre eine Untersuchung ratsam.

Verfrühte Pubertätsentwicklung bei Mädchen

Bei einer kleinen Minderheit der Mädchen schiessen die auslösenden Hormone zu früh aus den «Startlöchern». Diese Mädchen  sind Frühentwicklerinnen und lassen zwischen dem achten und neunten Lebensjahr sämtliche Klassenkameraden punkto Grösse hinter sich. Eltern erkennen eine Frühpubertät also daran, dass sich das eben noch kindlich kleine Mädchen vor dem neunten Lebensjahr in relativ kurzer Zeit streckt. Gleichzeitig beginnen die Brustentwicklung und die Achsel- und Schambehaarung. Ob dieser Entwicklung erschrecken viele Eltern und sie fragen sich besorgt: Ist das nicht viel zu früh? Es gibt gute Gründe, warum es wichtig ist, einen Facharzt aufzusuchen, wenn ein Mädchen sich sehr früh zu entwickeln beginnt. Die Ursache könnte nämlich ein (meist gutartiger) Tumor im Hypothalamus oder in den Eierstöcken sein, der den Entwicklungsprozess auslöst. Möglicherweise sind aber auch Hormonstörungen in den Nebennieren der Grund für eine verfrühte Pubertät.

Untersuchung und Therapie

Mit dem Handröntgenbild wird das Knochenalter und mit einer  Blutentnahme werden zusätzlich die Hormonwerte bestimmt. Wenn alle krankhaften Ursachen für die Frühentwicklung ausgeschlossen sind, kann eine Frühpubertät in bestimmten Fällen hormonell gestoppt werden z. B. wenn der psychische  Druck für ein Mädchen sehr gross ist. In extremen Fällen ist es dann angebracht, mittels einem Nasenspray die Pubertät vorübergehend «aufs Eis zu legen». Sobald die Behandlung gestoppt wird, läuft die Entwicklung normal weiter.

Meist ist  eine gynäkologische Untersuchung nicht nötig.  Für ein acht- oder neunjähriges Mädchen kann eine solche sehr unangenehm sein, daher genügt es, einen Ultraschall durchzuführen. Mit dem Ultraschallgerät wird die Gebärmutter ausgemessen, denn diese ist der beste Indikator für den Entwicklungsstand. Gleichzeitig kann damit aber auch eine allfällige Geschwulst in den Eierstöcken entdeckt werden, und selbst die sich vor der Menarche aufbauende Schleimhaut ist erkennbar.

Wenn sich Pubertätsentwicklung und Wachstumsspurt verzögern

Bei der Beratung von Jugendlichen, die sich Sorgen wegen ihrer verzögerten Reifung und ihrer kleinen Körpergrösse machen, helfen das Handröntgenbild und das daraus bestimmte Knochenalter sehr. Zum einen hilft es dem Jugendlichen, wenn man ihm voraussagen kann, dass er oder sie normal gross wird und wann etwa die Pubertätsentwicklung sichtbar einsetzen wird. Zum anderen hilft sie dem Arzt zu entscheiden, ob allenfalls eine Störung vorliegen könnte. Vor allem Knaben mit einer Pubertätsverzögerung leiden oft mit 14 bis 15 Jahren sehr. Die Mädchen in diesem Alter sind bereits weitgehend erwachsene Frauen und die gleichaltrigen Jungen sind meist auch schon deutlich entwickelt. Dies führt dann dazu, dass insbesondere auch sportlich aktive Jugendliche noch mehr Probleme bekunden. Sie können wegen Körpergrösse und fehlender Muskelmasse leistungsmässig nicht mehr mithalten und sie meiden dann oft das Duschen nach dem Training, weil sie sich wegen des kindlichen Körpers schämen. Sie werden oft nicht für voll genommen, weil ihre Kollegen oft hohe Geschlechtshormonspiegel haben und sie die Gefühlswelt der Weiterentwickelten nicht nachvollziehen können, denn dazu fehlt ihnen die hormonelle Grundlage. Dies kann auch zu einer schwierigeren Berufswahl führen, nicht zuletzt deshalb weil ein angehender Lehrmeister Mühe hat sich vorzustellen, dass aus so einem kleinen Jungen bald auch einmal ein starker Mann wird.

Therapie

Bei verzögerten Jungen und Mädchen kann das Einsetzen der Pubertätsentwicklung und damit auch des Pubertätswachstumsspurtes mit sehr niedrigen Dosen des entsprechenden weiblichen oder männlichen Geschlechtshormons vorverlegt werden. Eine solche Behandlung ist in der Hand einer geübten Fachperson problemlos und einfach in der Durchführung. Sie dauert rund 6 Monate und verbessert die Lebensqualität oft erheblich, weil die Pubertätsentwicklung sofort einsetzt und der Fortschritt der Pubertätsentwicklung für den betroffenen Jugendlichen kalkulierbar wird. Die verwendeten Hormondosen liegen weit unter denjenigen, welche die Gleichaltrigen bereits selbst bilden.

Das PEZZ (Pädiatrisch-Endokrinologisches Zentrum Zürich, www.pezz.ch) ist mittlerweile das grösste Schweizer Institut für Wachstums- und Hormonstörungen und Diabetes  bei Kindern. Es wurde vor 25 Jahren durch Prof. Urs Eiholzer gegründet und wird von ihm und von Dr. Udo Meinhardt geleitet.
Das PEZZ verfügt über die drei Standbeine behandeln, forschen und bewegen. Forschungsprojekte sind Fragen zu Wachstums- und Pubertätsstörungen, Auffälligkeiten der Körperzusammensetzung sowie zur Effizienz von Sporttraining.

PEZZ | Pädiatrisch-Endokrinologisches Zentrum Zürich
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