Es gibt hunderte von verschiedenen Syndromen.
Wir beschränken uns hier auf häufige Syndrome, die mit Hormonstörungen einhergehen.

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Für weitere Informationen verweisen wir auch auf die Broschüre Das Turner-Syndrom und seine Gesichter, die in Zusammenarbeit mit dem PEZZ, der Selbsthilfegruppe Turner-Syndrom Schweiz und der Firma NovoNordisk Pharma AG Schweiz entstand.
Das Turner Syndrom (TS) gilt als häufige Störung; jedes 2500ste neugeborene Mädchen ist betroffen. In der Schweiz werden somit etwa 15 Mädchen pro Jahr mit einem TS geboren. Es tritt immer dann auf, wenn bei einer frühen Zellteilung eines der beiden X-Chromosomen verloren gegangen oder beschädigt worden ist. Dies kann man in der Chromosomenuntersuchung nachweisen.
HAUPTMERKMALE
Die Hauptmerkmale des TS sind die kleine Körpergrösse und das Ausbleiben der Pubertätsentwicklung. Für Mädchen mit Turner-Syndrom gibt es spezielle Wachstumskurven. Ohne Behandlung erreichen sie eine durchschnittliche Erwachsenengrösse von etwa 145 cm.
Neben dem Kleinwuchs sind in den meisten Fällen die Ovarien (Eierstöcke) nicht oder nur ungenügend funktionsfähig. Anstelle eines normalen Gewebes mit Zellen, welche Hormone und Eizellen bilden können, finden sich meistens nur kleine Ovarien, die hauptsächlich aus Bindegewebe bestehen. Dies führt dann dazu, dass die Pubertätsentwicklung nicht einsetzt oder nach einem spontanen Pubertätsbeginn die Entwicklung bald stehen bleibt. Frauen mit Turner-Syndrom sind in der Regel (in 95 – 98% der Fälle) auch unfruchtbar.
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Wird man aufgrund des Wachstums oder der fehlenden Pubertätsentwicklung auf die Differentialdiagnose Turner-Syndrom aufmerksam, gilt es, weitere charakteristische Zeichen zu suchen, die allerdings nicht obligatorisch
vorhanden sind und oft nur teilweise und sehr diskret ausgebildet sind:
AUGEN
Herabhängende Oberlider (Ptosis), Lidspaltenschrägstellung (Epikanthus), Kurzsichtigkeit (Myopie), Schielen (Strabismus)
OHREN
Verformung der Muscheln, Mittelohrentzündungen (Otitiden), Schwerhörigkeit
MUND, KIEFER
hoher Gaumen (Palatus arcuatus), kleiner Unterkiefer (Mikrognathie), Zahnfehlstellung
HAUT, HAUTANHANGSGEBILDE
Bindegewebsschwellungen der Hände und Füsse (Lymphoedeme), vermehrte Hautflecken (Pigmentnaevi), vermehrte Körperbehaarung (Hypertrichosis), Verformung der Finger- und Fussnägel (Nageldysplasie), Pigmentverlust (Vitiligo)
HALS
kurzer, breiter Hals, tiefe Nacken-Haar-Grenze, nach oben gerichteter Haaransatz im Nacken, seitliche Hautfalten (Pterygium colli)
BRUST
rechteckige Form (Schildthorax), weit erscheinender Abstand der Brustwarzen, nach innen gerichtete (inverse) Brustwarzen
SKELETT
weiter Winkel zwischen Ober-und Unterarm (Cubitus valgus), kurze Mittelhandknochen (Brachymetacarpie), Wirbelsäulenverkrümmung (Scoliosis)
Die meisten Mädchen und Frauen mit Turner-Syndrom sind nicht von anderen Mädchen und Frauen zu unterscheiden.
Verschiedene weitere Störungen kommen beim Turner-Syndrom gehäuft vor, wobei die Frage, weshalb dies so ist, in den allermeisten Fällen unbeantwortet bleibt. Die häufigsten Probleme, nach denen schon bei Diagnosestellung gesucht werden muss, sind Nieren- und Herzfehlbildungen, v.a. Auffälligkeiten der Aorta. Häufiger als in der Normalbevölkerung kommen auch folgende Erkrankungen vor: Schilddrüsenstörung (Thyreoiditis Hashimoto), Zöliakie, Kurzsichtigkeit (Myopie), erhöhter Augeninnendruck (Glaukom), Schwerhörigkeit, Osteoporose, Übergewicht.
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Mädchen mit Turner-Syndrom haben in der Schule manchmal spezielle Probleme. Typisch sind Teilleistungsstörungen, welche die rechnerischen und mathematischen Fähigkeiten sowie die Orientierung im Raum betreffen.
Es gibt viele Arbeiten über psychosoziale Probleme: Die betroffenen Mädchen sind im Vergleich zu Gesunden ängstlicher, weniger aggressiv, emotional unreifer, weniger selbstbewusst und dadurch oft weniger gut in der Gruppe Gleichaltriger integriert. Auf der anderen Seite zeigt eine neuere Studie (2004), dass Turner-Mädchen erstaunlicherweise oft eine bessere und längere Ausbildung aufweisen als Gleichaltrige (mehr höhere Schulen, mehr Universitätsabschlüsse). Dies zeigt, dass Schulprobleme, auch wenn sie häufiger sind als bei anderen, dank adäquater Betreuung in der Regel in eine gute schulische und berufliche Performance münden.
Eine rechtzeitige Diagnose ist entscheidend, weil das frühzeitige Einsetzen geeigneter Massnahmen zu einem normalen Erwachsenenleben führen kann.
Seit ca. 15 Jahren werden Mädchen mit Turner-Syndrom mit Wachstumshormon behandelt. Heute sind bei frühzeitigem Therapiebeginn Endgrössen um 160 cm keine Seltenheit mehr.
PUBERTÄTSALTER
Im Pubertätsalter werden die fehlenden Geschlechtshormone (Östrogene und Gestagene) in dem Alter und dem Entwicklungsstand angepassten Dosen ersetzt – eine normale Pubertätsentwicklung ist die Folge. Mädchen mit Turner-Syndrom haben bis auf die Eierstöcke normale weibliche Organe. Sie haben also eine normale Scheide und eine normale Gebärmutter. Mit einer Hormonersatzbehandlung werden sie normal menstruieren und auch normal sexuell aktiv sein können. Wegen der fehlenden Eizellen, sind sie in der Regel aber unfruchtbar.
ERWACHSENENALTER
Erwachsene Frauen mit Turner-Syndrom sollten sich regelmässig ärztlich untersuchen lassen, und zwar von einem Arzt oder einer Ärztin welche mit dem Turner-Syndrom und seinen Problemen vertraut ist. Das Hauptaugenmerk gilt dabei dem Herzen, dem Gewicht, dem Blutdruck, der Knochendichte, der Östrogensubstitution sowie dem Screening von häufiger auftretenden weiteren Störungen wie beispielsweise der Unterfunktion der Schilddrüse (siehe oben).

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Prof. Dr. med. Urs Eiholzer hat zwei Bücher geschrieben, in denen er einfühlsam, kompakt und anschaulich alle wichtigen Aspekte zum Thema Mangelgeburt erläutert. Das Ratgeberbuch SGA-Mangelgeburt richtet sich an Eltern von SGA-Kindern und hilft Ihnen, die Diagnose besser zu verstehen.
Das im Karger-Verlag erschienene Fachbuch SSGA-Mangelgeburt "Ursachen, Risiken, Therapien und Behandlung" ist ein Muss für Ärzte, die an Wachstumsstörungen, Adipositas, Diabetes und dem metabolischen Syndrom interessiert sind.
SGA und Kleinwuchs – Indikation für Wachstumshormon (PDF), Urs Zumsteg
Wenn ein Kind zu klein oder zu leicht für die Schwangerschaftsdauer zur Welt kommt (Small for Gestational Age = SGA), kann dies lebenslange Konsequenzen haben. Eine frühzeitige Abklärung lohnt sich, eine Behandlung kann eine normale Entwicklung ermöglichen.
Sie haben ein Kind bekommen, die Freude ist gross.Sie halten es im Arm und haben das Gefühl, es sei winzig. Selbst wenn es zum Termin auf die Welt gekommen ist, selbst wenn es nicht Ihr erstes Kind ist, sind Sie überrascht oder aufs Neue berührt, wie klein so ein Baby bei der Geburt ist. Klein kommen uns alle Neugeborenen vor, aber sie unterscheiden sich durchaus in Grösse und Gewicht. In der Regel wiegt ein Neugeborenes zwischen 2800 und 4200 Gramm und misst zwischen 47 und 55 Zentimeter. Einige Kinder – etwa 15% aller Neugeborenen – entsprechen, wenn sie zur Welt kommen, nicht dieser allgemeinen Norm, sie sind grösser oder kleiner.
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Die Ursache des SGA ist meist ein Mangel an Nährstoffen beim Fetus. Ein solcher Mangel kann Folge einer Unterernährung der Mutter sein oder, besonders in entwickelten Ländern, auf eine Störung des Nährstofftransportes von der Mutter zum Kind zurückgehen. In den meisten Fällen kann die Ursache nicht eindeutig geklärt werden.
Auch weil das Alter von Erstgebärenden in den letzten Jahrzehnten angestiegen ist, werden heute immer mehr SGA-Kinder geboren. Die spätere Erfüllung des Kinderwunsches führt einerseits zu mehr Mehrlingsschwangerschaften und Fertilitätsbehandlungen, andererseits sind ältere Frauen häufiger von Schwangerschaftskomplikationen betroffen.
DIE FETALE UMPROGRAMMIERUNG
Studien weisen darauf hin, dass der Organismus des Fetus den Stoffwechsel umschaltet – und zwar für immer-, wenn die Zufuhr an Nährstoffen während der Schwangerschaft mangelhaft ist. Der Fetus entwickelt aufgrund der «Hungersnot» im Bauch eine kompensatorische Überlebensstrategie und konzentriert sich auf Kosten des Wachstums auf die Versorgung von lebenswichtigen Organen. Das Resultat dieser fetalen Programmierung ist das «besonders sparsame Individuum» (thrifty phenotype).
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Diese sogenannten «Thrifty Phenotypes» (oder SGA‘s), haben eine kleinere Körpergröße, eine niedrigere Stoffwechselrate, weniger Muskeln, und sie sind körperlich weniger aktiv, also optimal an eine Umgebung angepasst, die chronisch knapp an Nahrungsmitteln ist. Bei einer Hungersnot sichert diese Umprogrammierung des Stoffwechsels das Überleben. Ist das Kind aber dann ab Geburt mit Überfluss konfrontiert, kann diese Umprogrammierung zu gesundheitlichen Problemen führen.
KONSEQUENZEN DER FETALEN UMPROGRAMMIERUNG
Ganz diskrete Auffälligkeiten im Zuckerstoffwechsel sind oft bereits im Kindesalter nachweisbar. Zusätzlich führt die ungenügende Versorgung bei Mutter und Kind zu Stress und einem erhöhten Spiegel des Stresshormons Cortisol, welcher oft lebenslang nachwirkt. Solche Kinder sind deshalb oft stressempfindlicher als andere.
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Alle diese Mechanismen, also weniger Muskelmasse, grösserer Fettanteil, weniger Bewegung, weniger Inselzellen und eine erhöhte Aktivität der Nebennierenrinde erhöhen das spätere Risiko für eine Insulinresistenz und damit nimmt auch die Anfälligkeit für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall im Erwachsenenalter zu.
Die Diagnose SGA verfolgt Kinder auch in der Schule. Der Zusammenhang zwischen Untergewicht bei Geburt und späterer geringerer Intelligenz, schlechteren Berufsaussichten, niedrigerer Sozialkompetenz und Verhaltensauffälligkeiten ist gut dokumentiert.
DIE BEHANDLUNG DES UNGENÜGENDEN WACHSTUMS
Im Verlaufe der Kindheit steht das Wachstumsproblem im Vordergrund, später im Erwachsenenalter dann manchmal die Probleme der Insulinresistenz.
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Die meisten zu klein geborenen Kinder holen in den ersten zwei Lebensjahren ihr Wachstumsmanko auf. Bei rund zehn Prozent der Kinder, die zu klein und untergewichtig zur Welt gekommen sind, bleibt das Aufholwachstum in dieser Zeit aus. In der Schweiz werden Behandlungskosten mit Wachstumshormon dann übernommen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind: Gewicht und/oder Grösse sind bei der Geburt um 2 Standardabweichungen kleiner als bei Normalgeborenen. Bis zum vierten Lebensjahr findet kein Aufholwachstum statt. Die aktuelle Grösse des Kindes liegt mindestens 2.5 Standardabweichungen unter der Grösse von Gleichaltrigen. Die Wachstumsgeschwindigkeit im vergangenen Jahr beträgt weniger als 0 SDS. Die Angleichung an die elterliche Zielgrösse beträgt mindestens -1 SD. Ausserdem müssen vor einer Therapie alle anderen Gründe für Kleinwuchs (z.B. ein Wachstumshormonmangel oder eine Hypothyreose) ausgeschlossen werden. Nach einem Jahr muss die Behandlung evaluiert werden. Ziel der Behandlung ist nicht nur die Beeinflussung des Längenwachstums, sondern auch des Muskelaufbaus zuungunsten des Körperfettanteils, weil dies das Risiko von Diabetes reduziert.
FRÜHE DIAGNOSE UND BEHANDLUNG SIND ENTSCHEIDEND
Wir finden es wichtig, dass Kinderärzte frühzeitig aufmerksam werden, wenn ein SGA-Kind bis zum zweiten Geburtstag kein Aufholwachstum zeigt, damit etwaige andere Ursachen einer Wachstumsstörung nicht verpasst werden.
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Eine frühzeitige Abklärung ist auch deshalb wichtig, weil es infolge der erhöhten Hormonausschüttung der Nebennierenrinde zu einer leichten Beschleunigung der Knochenreifung kommen kann. Nicht selten wächst deshalb ein siebenjähriges SGA-Kind bereits etwas schneller, und erfüllt dann die Kriterien für eine Behandlung nicht mehr. Diese leichte Beschleunigung des Wachstums führt aber leider meist zu einer zusätzlichen leichten Reduktion der Endgrösse, weil auch die Pubertät und damit der Pubertätswachstumsspurt etwas früher einsetzen und dann das Wachstum etwas früher abgeschlossen ist.
SILVER-RUSSEL-SYNDROM
Es wird heute davon ausgegangen, dass das Silver-Russel-Syndrom in den meisten Fällen eine Variante des SGA ist, wobei zum Kleinwuchs und Untergewicht in der Regel auch eine Asymmetrie der beiden Körperhälften beobachtet wird.
DEFINITION SGA
Die Abkürzung SGA steht für "small for gestational age". Unter SGA-Kindern versteht man also Kinder, welche bei Geburt für die Schwangerschaftsdauer untergewichtig und/oder mit einer zu kleinen Geburtslänge zur Welt kommen ("Mangelgeburt"). Für die Beurteilung, ob ein Geburtsgewicht und/oder eine Geburtslänge ungenügend sind, werden Normtabellen und Normkurven herbeigezogen. Man spricht in der Regel von SGA, wenn die Grösse und/oder die Länge im untersten 5%-Bereich für Kinder der gleichen Schwangerschaftsdauer liegen. Bei einem am errechneten Termin (40. Schwangerschaftswoche) geborenen Mädchen oder Knaben heisst dies leichter als 2.63 kg beziehungsweise 2.74 kg und kleiner als etwa 47 cm.

DAS PRADER-WILLI-SYNDROM TRITT DURCHSCHNITTLICH BEI 1 VON 16'000 NEUGEBORENEN AUF.
In der Schweiz werden somit jährlich 3-4 Kinder mit einem Prader-Willi-Syndrom geboren. Weil die Angehörigen der Patienten kaum Ansprechpartner finden konnten, begann Prof. Dr. Urs Eiholzer vor mehr als 20 Jahren, sich besonders für diese Krankheit zu interessieren. Heute gilt das Pädiatrisch-Endokrinologische Zentrum Zürich für Prader-Willi-Patienten als eine der kompetentesten Anlaufstellen weltweit.
Das Prader-Willi-Syndrom wurde 1956 von den Zürcher Ärzten Andrea Prader, Alexis Labhart und Heinrich Willi beschrieben. Bereits beim Säugling fällt eine ausgeprägte, generelle Muskelhypotonie auf, das sogenannte "Waschlappen-Phänomen". Zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr entwickelt das Kind eine starke Esssucht, die zu Übergewichtigkeit führt.
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Die Kinder wachsen verlangsamt heran und sind im Hinblick auf Grobmotorik und Intelligenz unterdurchschnittlich entwickelt. Typisch ist eine Störung der Körperzusammensetzung; die Fettmasse ist erhöht und die Muskelmasse erniedrigt. Im Erwachsenenalter beträgt die durchschnittliche Grösse von Patienten mit Prader-Willi-Syndrom 146 cm bei Frauen und 152 cm bei Männern. Häufig treten Folgeerkrankungen, die mit dem Syndrom selber oder mit dem Übergewicht verbunden sind, auf.
Die genetischen Defekte, die dem Prader-Willi-Syndrom zugrunde liegen, sind weit gehend bekannt. Nach heutigem Verständnis werden die Symptome durch eine Fehlfunktion des Zwischenhirns verursacht.
Wegen der sehr grossen Erfahrung in der Betreuung von Patienten und Familien und der fortlaufenden wissenschaftlichen Auswertung der Erfolge, werden im Pädiatrisch-Endokrinologischen Zentrum Zürich neue Therapiekonzepte entworfen und realisiert. Diese Therapiekonzepte finden internationale Anerkennung. Bei vielen Patienten können so Wachstum und Körperproportionen normalisiert werden.
DAS SYNDROM WURDE 1956 VON DEN ZÜRCHER ÄRZTEN ANDREA PRADER, ALEXIS LABHART UND HEINRICH WILLI BESCHRIEBEN.
Seine wichtigsten Merkmale sind:
MUSKELSCHWÄCHE
Eines der frühesten Zeichen des PWS ist die Muskelschwäche. Bereits im Mutterleib bewegen sich Föten mit PWS weniger als gesunde, und nach der Geburt liegen Säuglinge schlaff da. Arme und Beine scheinen kraftlos, von sich aus bewegen sich die Babys wenig. Sie sind sehr still, reagieren wenig auf ihre Umwelt und schlafen viel. Weil sich die Muskelschwäche auch auf die Saug- und Schluckfähigkeit auswirkt, nehmen Säuglinge mit PWS oft zunächst nicht genügend Nahrung zu sich und sind untergewichtig. Mit der Zeit werden die Kinder kräftiger und aufmerksamer, aber eine mehr oder weniger ausgeprägte Muskelschwäche bleibt bestehen.
ESSSUCHT
Nach der Zeit dieser Ernährungsschwierigkeiten und des Untergewichts ändert sich das Essverhalten von Kindern mit PWS im Alter von zwei bis drei Jahren grundlegend. Das Essen wird immer wichtiger. Später entwickeln die Kinder geradezu eine Esssucht, die mehr oder weniger ihr ganzes Leben bestehen bleibt. Die permanente Überwachung und Einschränkung der Nahrungszufuhr ist die schwierigste, aber auch die wichtigste Aufgabe für Eltern und andere Bezugspersonen von Kindern und Erwachsenen mit PWS. Wenn von aussen nicht klare Grenzen gesetzt werden, führt die Esslust zu einer übermässigen Gewichtszunahme mit bisweilen enormem Übergewicht. Weil Kinder mit PWS weniger aktiv und bewegungsfreudig sind als andere Kinder, verbrennen sie auch weniger Kalorien.
KLEINWUCHS
Ein weiteres wichtiges Merkmal des PWS ist der Kleinwuchs. Das verzögerte Wachstum, das bereits im Kleinkindalter auffällt, hat im Erwachsenenalter seine Auswirkungen: PWS Patienten bleiben klein. Im Durchschnitt erreichen Frauen eine Körpergrösse von 146 Zentimetern, Männer eine von 152 Zentimetern.
HYPOGONADISMUS
Schon bei der Geburt fällt bei Kindern mit PWS häufig eine Unterentwicklung der Geschlechtsteile auf. In der Pubertät verläuft die körperliche Entwicklung meist verzögert und unvollständig. Die meisten jungen Männer mit PWS entwickeln keinen Stimmbruch, und die meisten jungen Frauen mit PWS haben keinen Monatszyklus. Das Interesse an der Sexualität und der sexuelle Trieb sind oft wenig ausgeprägt. Aufgrund der körperlichen Entwicklung sind Menschen mit PWS in den meisten Fällen unfruchtbar.
GEISTIGE BEHINDERUNG
Die psychomotorische und intellektuelle Entwicklung von Kindern mit PWS verläuft in der Regel verlangsamt, und zwar schon im Säuglingsalter. Besonders stark verzögert sind die Sprach- und die grobmotorische Entwicklung (sitzen, gehen). Während es einzelnen Kindern möglich ist, eine reguläre Schule zu besuchen, weisen andere einen deutlichen Rückstand zu gleichaltrigen auf. Die meisten fühlen sich in kleineren, heilpädagogisch ausgerichteten Schulklassen wohl.
VERHALTENSAUFFÄLLIGKEIT
Kinder mit PWS sind im Kleinkindalter meist lieb und folgsam, im Schulalter können sie jedoch manchmal massiv trotzen, jähzornig reagieren und Türen knallen, ohne sich beruhigen zu lassen. Besonders unvorhergesehene Änderungen im gewohnten Tagesablauf machen ihnen zu schaffen, da sie gerne haargenau und vor allem im Voraus wissen möchten, was auf sie zukommt. Wutanfälle, wie sie viele Kinder mit PWS vor der Pubertät befallen, werden später seltener. Manche Jugendliche mit PWS leiden dafür aber unter depressiven Phasen, was zum Teil daran liegt, dass sie sich ihrer Andersartigkeit stärker bewusst werden.
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Schwierig, aber sehr wichtig für die Eltern von Kindern mit PWS ist die Einsicht, dass sie ihr Kind auch mit dem besten Willen nicht «gesund» machen können. Die Anliegen eines Kindes mit PWS sind bereits bei der Geburt festgelegt. Diese Erkenntnis ist entscheidend, um einerseits einer Überforderung des Kindes und andererseits Schuldgefühlen der Eltern vorzubeugen. Auch durch ständige Therapie und noch so gute Betreuung können die durch das PWS gesetzten Grenzen nicht überschritten werden. Gleichzeitig darf das Wissen um diese Grenzen Eltern und Betreuungspersonen von PWS-Patienten jedoch nicht entmutigen. Ihr Einsatz, verbunden mit der Unterstützung durch ein interdisziplinäres Team, ist von entscheidender Bedeutung für das körperliche und seelische Wohlbefinden der Patienten und lohnt sich in jedem Fall, auch in Fällen, wo die Diagnose nicht sofort, sondern erst später gestellt wird.
FILME ZUM THEMA
Interview mit Urs Eiholzer zum Prader-Willi-Syndrom
«Unauffällig-auffällig. Leben mit dem Prader-Willi-Syndrom»
Die Hauptproblematik des PWS liegt in der Vielgestaltigkeit seiner Symptomatik. Zuerst braucht es jemanden, z.B. die Ärzte in der Geburtsklinik oder später den zuständigen Kinderarzt, der an die Diagnose denkt und die nötigen Abklärungen veranlasst. Bis heute konnte keine Erklärung gefunden werden, weshalb Kinder mit PWS unterschiedlich starke Symptome zeigen. Für den Alltag mit einem PWS-Kind bedeutet das vor allem eines:

BESCHRÄNKUNG DER KALORIENZUFUHR
Erste und wichtigste therapeutische Massnahme ist die Beschränkung der Kalorienzufuhr. Das ist ein permanente Kampf, der in der Regel nur einigermassen zum Erfolg führt, wenn der Kühlschrank abgeschlossen wird und kein Essen zugänglich ist.
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Auch eine strenge Überwachung und das konsequente Wegschliessen von Esswaren können das Übergewicht bzw. die Adipositas nur beschränken, aber nicht verhindern. Denn PWS-Betroffene haben einen nahezu unstillbaren Appetit. Die Grafik zeigt, dass PWS-Kinder im Gegensatz zu anderen, ähnlich übergewichtigen Kindern nicht aufhören können, wenn sie so viele Sandwichportionen essen dürfen, wie sie möchten (rechts PWS-Kinder) Y-Achse: Anzahl gegessene Sandwichportionen (1/4 Sandwich). X-Achse: Zeit.
Die Kontrolle von Aussen ist sehr wirksam.
Das können Eltern, Familienmitglieder oder Betreuer sein.
Julia, vor und nach der Nahrungskontrolle. Beachtenswert: nur 3 Monate und ein Telefonat später. Die Nahrungskontrolle erfolgte, ohne dass wir die Familie persönlich kennengelernt hatten.


BEHANDLUNG MIT WACHSTUMSHORMON
Kinder und Erwachsene mit PWS sind kleinwüchsig. Ende der 1980er Jahre wurde zudem entdeckt, dass sie – im Vergleich mit gesunden übergewichtigen Kindern – eine verminderte Muskelmasse haben.
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Kleinwuchs und reduzierte Muskelmasse sind typische Symptome eines Mangels an Wachstumshormonen. Deshalb begann man ab 1990 Kinder mit PWS mit Wachstumshormonen zu behandeln. Mehrere Studien zeigten, dass Wachstum, Körperzusammensetzung und körperliche Leistungsfähigkeit im Rahmen einer Therapie mit Wachstumshormonen erheblich verbessert werden konnten. Dabei werden deutlich bessere Resultate erzielt, wenn die Therapie schon vor 2.5 Jahren begonnen wird.
Der gleiche Patient - zwei Jahre später
Unter eingeschränkter Kalorienzufuhr und Wachstumshormonbehandlung.


TÄGLICHES TRAINING
Inaktivität und wenig Freude an körperlicher Betätigung sind weitere charakteristische Symptome des PWS. Eine Hormontherapie kann zwar das Wachstum normalisieren und die Körperzusammensetzung verbessern, aber auch unter lang dauernder Wachstumshormonbehandlung bleibt bei PWS-Kindern die Muskelmasse deutlich vermindert und die Fettmasse erhöht - selbst wenn das Gewicht normal ist.
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Um die Muskelmasse zu verbessern und den Energieverbrauch zu steigern, ist es sinnvoll, dass die betroffenen Kinder und Erwachsenen täglich ein strukturiertes, Trainingsprogramm befolgen. Die Wichtigkeit der körperlichen Aktivität muss Eltern, Betreuungspersonen und den PWS-Patienten deutlich bewusst gemacht werden. Eine Studie zeigte, dass bei 3-4 Minuten Training der Wadenmuskulatur pro Tag (3 Sets à 12 Wiederholungen) der Wadenumfang bei PWS-Kindern und bei gesunden Geschwistern gleichermassen zunimmt. Die niedrige Muskelmasse ist bei PWS-Kindern nur eine Folge der Inaktivität. Bei der Kraft ist es ähnlich. Und die Überraschung: Nach dem Training gehen PWS-Kinder spontan deutlich weitere Strecken, d.h. die Freude an der Bewegung konnte aktiviert werden. Betrug die spontane Gehstrecke vor dem Training 10 km in 3 Tagen, lag sie nach dem Training bei 18 km. (Bei gesunden Kindern war keine signifikante Änderung festzustellen.)


SUBSTITUTION MIT GESCHLECHTSHORMONEN
Der Stillstand der Pubertätsentwicklung ist für die Betroffenen sehr belastend, man denke z.B. an den fehlenden Stimmbruch bei männlichen Jugendlichen. Die Ursache dafür ist ein zentrales Merkmal des PWS und nennt sich «Hypogonadismus». Diese so genannte Unterfunktion von Hoden oder Eierstöcken beeinträchtigt nicht nur die Pubertätsentwicklung und seelische Reifung, sondern auch Wachstum und Körperzusammensetzung.
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Prader–Willi syndrome and Hypogonadism - IPWSO
Pubertät
Dass die Pubertät oft unvollständig bleibt liegt an einer Fehlregulierung des Zwischenhirns von PWS-Betroffenen. Bedingt durch die unterschiedliche Produktion der Geschlechtshormone ist dies bei Jungen und Mädchen verschieden: - Östrogene werden nicht nur in den Eierstöcken, sondern auch im Fettgewebe hergestellt. Deshalb haben Mädchen weitgehend eine normale Pubertät, meist aber ohne Zyklus. - Testosteron wird praktisch nur in den Hoden produziert, deshalb haben PWS-Jungen wenig Pubertätsentwicklung, insbesondere ohne Stimmbruch. Und: Jungen brauchen Testosteron für die Muskelbildung.
Obwohl der Hypogonadismus beim PWS gut dokumentiert ist, ist die Substitution der Sexualhormone bis heute teilweise umstritten. Das liegt vor allem im alten Glauben, eine Zunahme des normalen männlichen Geschlechtshormon Testosteron könnte bei jungen Männern zu aggressiverem Verhalten führen. Eine wissenschaftliche Untersuchung bei PWS-Betroffenen liegt bis heute dazu nicht vor. Wir haben mit der Substitution der Geschlechtshormone bei PWS-Jugendlichen ausschliesslich gute Erfahrungen gemacht, wenn die Therapie zum physiologisch gesehen richtigen Zeitpunkt begonnen wurde.

FAMILIENCOACHING
Familien mit PWS-Kindern sind meist einer grösseren psychosozialen Belastung ausgesetzt als andere Familien.
Deshalb halten wir die Unterstützung der Familie für besonders wichtig, zum Beispiel
Familien sollen allgemein Sicherheit erhalten und sich aufgehoben fühlen. Dazu braucht es einen «case manager», der die verschiedenen Erkenntnisse der Spezialisten verbinden kann.
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Der konfliktlose einfache Weg ist nicht immer der beste. Gedanken von Urs Eiholzer
Beim Prader Willi Syndrom standen früher die Ess-Sucht und die geistige Behinderung im Vordergrund. Diese wurden dann ab den 90er Jahren durch die Problematik im Hypothalamus, also hauptsächlich durch die endokrinologische Betreuung abgelöst. Seit etwa 40 Jahren weiss man allerdings, dass beim PWS mittel- und längerfristig gesehen psychische Krankheiten im Zentrum stehen und diese entscheidend für die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien sind – und das ist heute immer noch so. Die somatische Betreuung ist auf dem Hintergrund der teilweise massivsten psychischen Störungen eigentlich sekundär und insbesondere vergleichsweise einfach.
Professor Prader hat mich damals mit der Betreuung seiner Patienten mit Prader Willi Syndrom beauftragt, weil ich einerseits bei ihm zum Facharzt für Endokrinologie ausgebildet wurde und andrerseits, weil er meine langjährige Ausbildung und Tätigkeit als Psychotherapeut mit psychoanalytischem und familientherapeutischem Hintergrund kannte und schätzte. Damals war noch nicht bekannt, dass PWS Betroffene in der späten Kindheit und im Erwachsenenleben derart häufig an schwersten psychischen Störungen erkrankten. Es ging Prader darum, die depressive Grundstimmung der Eltern und des Familiensystems aufzufangen, welche weitgehend aus der Ohnmacht der Medizin entstand und als Folge die Eltern und Angehörigen hilflos liess. Um aus dieser Hilflosigkeit auszubrechen, habe ich damals zusammen mit der Elterngruppe, deren Gründungsmitglieder Andrea Prader und ich waren, Studien über das PWS begonnen und neue Entdeckungen in Publikationen und Büchern beschrieben. Die allgemeine depressive Grundstimmung der Familien ist damals dank dieser Erkenntnisse und entsprechend neuen Therapieangeboten von einer neuen Welle des Optimismus in den betroffenen Familien abgelöst worden. Bald zeigte sich aber die andere Seite. Je normaler unsere Patienten mit Prader Willi Syndrom ausgesehen haben und wahrgenommen wurden, desto auffallender wurden ihre geistigen und psychischen Defizite und desto stärker sind die häufigen massiven psychischen Störungen wie Depressionen und Psychosen. Ich erinnere mich an eine Fahrt der PWS Eltern an einen Kongress der IPWSO in Jesolo. Auf der Hinfahrt waren alle glücklich und auf der Heimfahrt haben viele geweint. An diesem Kongress wurde zum ersten Mal breitflächig darüber gesprochen, wie häufig und wie massiv die psychischen Auffälligkeiten bei älteren Kindern und Erwachsenen sind. Lösungen waren noch keine in Sicht. Ich habe früh bemerkt, dass es für den späteren Verlauf von entscheidender Bedeutung ist, die familiäre Struktur zu beeinflussen und insbesondere die Eltern dazu zu bringen, die Kinder mit Prader Willi Syndrom in einer klar strukturierten Familiensituation aufwachsen zu lassen – eine Erkenntnis, die heute insbesondere im englischen Sprachraum völlig unwidersprochen ist. Alle Familien, die ich je betreut habe, wurden auch psychotherapeutisch in einem Familiensetting betreut und gecoacht, ohne dass sie das immer wahrgenommen haben. Viele Familien die ich betreut habe, dürften sich an harte Auseinandersetzungen mit mir erinnern, weil ich immer versucht habe, die Zukunft der psychischen Gesundheit dieser Kinder im Auge zu behalten. Ich habe oft gesagt, dass die Kindheit nur ein Übergang ist und dass auch vom Prader Willi Syndrom Betroffene nachher noch 60 Jahre oder länger erwachsen sein könnten und dass die Kindheit dazu dient, dass die Betroffenen das Erwachsenenleben mit einer möglichst hohen Lebensqualität meistern können. Wahrscheinlich wären auch damals verschiedentlich einige Eltern gerne davongelaufen. Sie konnten allerdings nicht, da es ganz einfach keine weitere Fachstelle für die Betreuung vom Prader-Willi Syndrom Betroffenen in der Schweiz gab.
Wenn man nur die biologische Seite beim PWS-Betroffenen behandelt, dann ist natürlich der Ansatz ein anderer und viel konfliktfreier. Es entspricht aber nicht meinem Behandlungsansatz und auch nicht meinem Charakter, dass der Arzt sich die Sichtweise der Familien zu eigen macht und nur sagt, was diese hören will. Dies ist nichts anderes als eine Echokammer, welche die spätere psychische Gesundheit der älteren Kinder und Erwachsenen mit PWS zusätzlichen Risiken aussetzt. Ich bin überzeugt, dass diejenigen Familien, die die Chance packen können, diese auch bekommen sollen.

FRÜHFÖRDERUNG, PHYSIOTHERAPIE, LOGOPÄDIE
Den spezifischen Bedürfnissen des Kindes und dem lokalen Therapieangebot entsprechend werden bereits dem Säugling und dem Kleinkind die notwendigen Förderungshilfen angeboten.
Kräftigung der Muskulatur
Die Physiotherapie sollte wegen der immer bestehenden Muskelschwäche und der ungenügenden Muskelmasse hauptsächlich die Kräftigung der Muskulatur zum Ziel haben. Die Frühförderung dient dem Ziel, das Kind zu Entwicklungsschritten zu animieren.
Logopädische Beratung
Als wichtigste Massnahme sollte bei verzögerter oder gestörter Sprachentwicklung etwa ab dem dritten Geburtstag eine logopädische Beratung einsetzen.
PSYCHOLOGISCHE BERATUNG
Familien mit Kindern mit PWS sind meist einer grösseren psychosozialen Belastung ausgesetzt als andere Familien.
Haushälterischer Umgang mit Ressourcen
Ausserdem hat sich gezeigt, dass die Erziehung von Kindern mit PWS einen bedeutenden Einfluss auf deren Gewichtsentwicklung haben kann. Psychologische Beratung von Eltern oder Familien zielt deshalb einerseits darauf ab, die Betroffenen zu unterstützen und ihnen im haushälterischen Umgang mit ihren Ressourcen zu helfen, und anderseits auf eine Beeinflussung des Erziehungsverhaltens in Richtung mehr Klarheit und Konsequenz. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass es den Familien oft nicht leicht fällt, sich einzugestehen, dass die eigenen Ressourcen nicht mehr ausreichen und dass sie Hilfe und Unterstützung von aussen brauchen.

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Kommt hier alles von der aktuelle Website hin?
Das Noonan Syndrom ist eine seltene genetische Erkrankung die ca. 40 neugeborene Kinder pro Jahr in der Schweiz betrifft. Früher wurde die Diagnose eines Noonan Syndroms ausschliesslich aufgrund der klinischen Merkmale (charakteristisches Gesicht, kongenitale Herzfehler, Kleinwuchs) gestellt. Heute wird zusätzlich ein Gentest gemacht, wo aber in 20 % der Fälle kein Gendefekt gefunden werden kann. Oft bleiben Menschen mit leichten Verläufen ein ganzes Leben lang undiagnostiziert.
Die Hauptschwierigkeit beim Noonan-Syndrom ist das breite Spektrum der Symptome. Aus diesem Grund kann es oft längere Zeit dauern, bis die Diagnose gestellt wird. Nicht immer sind die Ärzte auf der Entbindungsstation oder der zuständige Kinderarzt mit den vielen Spielarten des Noonan Syndroms vertraut. Wenn der Verdacht klar ist, wird das Kind an einen Genetiker überwiesen. Die Eltern brauchen dann einen Arzt, der sich mit dem Syndrom auskennt und der die Vielfalt der Symptome erklären und ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann. Der betreffende Arzt sollte auch in der Lage sein, die spezifischen Probleme, die durch das Noonan-Syndrom verursacht werden, vorauszusehen und die verschiedenen Spezialisten zum richtigen Zeitpunkt hinzuzuziehen, um deren Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es kann schwierig sein, einen Fachmann zu finden, der diese Rolle übernehmen kann, und in den meisten Fällen müssen Eltern die Rolle des Koordinators des "Care-Teams" übernehmen.
Im PEZZ steht den Eltern von Kindern mit Noonan-Syndrom mit Prof. Dr. Dr. med Kees Noordam ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet, zur Seite.
GESICHT
Schon beim Neugeborenen kann man oft typische Gesichtsmerkmale erkennen. Die Ausprägungen sind oft ganz unterschiedlich und im Erwachsenenalter weniger stark. Zu beobachten sind eine dreieckige Gesichtsform, weit auseinanderstehende Augen, herabhängende Augenlider, kleiner Unterkiefer, tiefsitzende Ohren, ein kurzer Hals und niedriger hinterer Haaransatz in Form eines W.
HERZ
Angeborene Herzfehler sind ein zweiter Anhaltspunkt für die Diagnosestellung. Besonders häufig ist eine Verengung der Pulmonalklappen. Diese führt zu einer übermässigen Herzbelastung und das Kind ist weniger körperlich belastbar und schneller müde. Das Auftreten weiterer Herzfehler ist möglich. Oft ist ein Herzgeräusch in den ersten Tagen nach der Geburt zu hören oder das Kind saugt schlecht und ist blass.
MEHR
KLEINE KÖRPERGRÖSSE
Obwohl das Geburtsgewicht und die Geburtsgrösse in der Regel normal sind, sind Kinder mit Noonan-Syndrom später kleiner als für ihr Alter erwartet. Die Pubertät verzögert sich um etwa 2 Jahre und die Endgrösse wird erst spät erreicht. Männern werden zwischen 157 und 169 cm, Frauen zwischen 148 und 153 cm.
MUSKEL- UND SKELETTSYSTEM
Bei der körperlichen Untersuchung fällt der geringe Muskeltonus auf. Auch kommen Brustkorbverformungen (Trichterbrust, Kielbrust, Skoliose) vor und eine Veranlagung für Lymphödeme. Bei Jungen besteht ein Hodenhochstand.
BLUTUNGSPROBLEME
Störungen im Zusammenhang mit der Blutgerinnung kommen auch vermehrt vor. Dies kann man an blauen Flecken, starken Menstruationsblutungen oder erhöhtem Blutverlust nach einer Operation erkennen. Vor einer Operation sollte darum immer die Blutgerinnung untersucht werden und der Narkosearzt informiert werden.
AUGEN
Etwa 90% der Betroffenen haben eine Fehlsichtigkeit und benötigen eine Brille und das Risiko für Schielen ist erhöht.
CHRONISCHE SCHMERZEN
Da unterschwellig das ganze Organsystem betroffen sein kann, haben viele Kinder und Erwachsene mit Noonan-Syndrom Schmerzen an den Gelenken, den Extremitäten, im Rücken, in den Muskeln oder im Bauchraum.
PROBLEME MIT DEM ESSEN IN DEN ERSTEN ZWEI JAHREN
Den Eltern bleiben meist die Schwierigkeiten mit dem Trinken und dem Essen in Erinnerung. Die häufigsten Probleme sind schlechtes Saugen, Trinkverweigerung, wiederkehrendes und schwallartiges Erbrechen, Blähungen und Verstopfung. Im ersten Jahr nehmen die Kinder nur sehr langsam an Gewicht zu. Ab dem zweiten Lebensjahr beruhigt sich die Situation. Die meisten Kinder zeigen aber weiterhin einen geringen Appetit und bleiben dünn.
PSYCHOMOTORISCHE ENTWICKLUNG UND VERHALTEN
Aufgrund der Muskelhypotonie werden die motorischen Meilensteine wie Krabbeln, stehen, laufen etc. später erreicht. Teilweise kommt es auch zu einer Sprachverzögerung. Die kognitiven Fähigkeiten liegen in bis zu 80 % der Fälle im Normbereich, mit einem Intelligenzquotient zwischen 70 und 120. Lernprobleme sind in etwa einem Drittel der Fälle vorhanden. Es gibt Berichte über Defizite bei der Fähigkeit, Gefühle zu erkennen und adäquat zu reagieren (Gefühlsblindheit). Viele Eltern beobachten bei ihren Kindern auch Aufmerksamkeitsprobleme, Stimmungsstörungen und Frustrationsintoleranz.
LEITLINIEN FÜR DIE BEHANDLUNG
Jedes Kind ist anders - jedes Kind braucht andere Formen der Hilfe und unterschiedliche individuelle Unterstützung. Die Hilfe von Experten - Spezialisten verschiedener Fachrichtungen, Kardiologen, Kinderärzten, Logopäden, Physiotherapeuten, Psychologen – sind darum sehr wichtig. Ebenso hilfreich sind die Ratschläge und Erfahrungen anderer Eltern von Kindern mit Noonan-Syndrom, die z. B. über Elternselbsthilfegruppen ausgetauscht werden können.
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Nach Bestätigung der Diagnose durch einen Gentest sollten folgende Untersuchungen durchgeführt werden.

Das Kallmann Syndrom ist definiert als gleichzeitiges Bestehen einer Störung des Geruchssinns und einer fehlenden Steuerung der Hoden durch das Zwischenhirn.
GERUCHSINN
Die Zellen für den Geruchssinn wie auch die Zellen, welche die Signale für die Steuerung der Hoden weitervermitteln entstehen aus Vorläuferzellen, die in ihrer Entwicklung von gemeinsamen Steuersignalen abhängen. Beim Kallmann-Syndrom kommt es infolge mehrerer bekannter Gendefekte zu einer gestörten Entwicklung dieser Vorläuferzellen. Dies führt dazu, dass Betroffene Gerüche nicht wahrnehmen können und in aller Regel ohne Behandlung keine Pubertätsentwicklung erleben.
Die Häufigkeit liegt bei etwa 1:10’000 für Männer. Auch Frauen können betroffen sein (1:50'000), wobei die Diagnose bei Nichteinsetzen der Menstruation, jedoch normalen äusseren Geschlechtsorganen oft erst spät gestellt wird.
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Die Betroffenen nehmen in der Regel nicht wahr, dass ihr Geruchssinn nicht wie bei den anderen funktioniert, weil sie ja damit aufwachsen und nichts anderes kennen. Meistens wird erst die ausbleibende Pubertätsentwicklung bemerkt, wobei es manchmal erstaunlich lange geht, bis die Diagnose gestellt und die Betroffenen adäquat medizinisch versorgt werden können. Die Ursache für die verzögerte Diagnose liegt darin, dass Betroffene und oft auch behandelnde Ärzte davon ausgehen, dass es sich um einen sogenannten "Spätentwickler" im Sinne einer Normvariante handle. Weitere Auffälligkeiten sind ein Hochwuchs (im Verhältnis zur Elterngrösse) mit langen Extremitäten; überdurchschnittlich häufig treten zudem Hörstörungen und Nierenfehlbildungen auf.
Die betroffenen Jugendlichen und auch die erwachsenen Männer brauchen eine lebenslange Ersatzbehandlung mit männlichem Geschlechtshormon. Mit einer adäquaten Behandlung sind die Pubertätsentwicklung und auch das spätere Sexualleben normal. Solange allerdings nur das männliche Geschlechtshormon ersetzt wird, kommt es zu keiner Reifung der Samenzellen. Sobald eine Fruchtbarkeit gewünscht wird, braucht es eine andere, etwas komplizierter Behandlung mit übergeordneten Steuerhormonen.

Das Klinefelter Syndrom ist die häufigste Chromosomenstörung beim Mann. Etwa jedes tausendste männliche Neugeborene ist davon betroffen. Oft wird die Diagnose erst im Erwachsenenalter gestellt - wenn ein Paar ungewollt kinderlos bleibt. Knaben und Männer mit Klinefelter-Syndrom haben in ihrem Chromosomensatz ein X zu viel: anstelle von 46 Chromosomen mit einem X- und einem Y-Chromosom besteht der Chromosomensatz aus 47 Chromosomen mit einem Y Chromosom und 2 X-Chromosomen.
KNABEN MIT KLINEFELTER-SYNDROM SIND OFT GRÖSSER ALS MAN AUF GRUND DES FAMILIENRAHMENS ERWARTEN WÜRDE.
Als spezielle Besonderheit ist oft die Beinlänge mehr betroffen als die Länge des Oberkörpers. Einzelne Knaben mit Klinefelter-Syndrom haben eine fehlende oder unvollständige Pubertät, die meisten zeigen aber mit Ausnahme des Hodenwachstums eine normale Entwicklung: Männer mit Klinefelter-Syndrom haben in der Regel ein Hodenvolumen, welches deutlich zu klein und in der Regel nicht grösser als 5 ml ist. Da die spermienbildenden Zellen stärker betroffen sind als die Zellen, die das männliche Geschlechtshormon Testosteron produzieren, bleibt die Hormonversorgung oft über längere Zeit ausreichend. Eine verminderte Spermienkonzentration im Samenerguss kann jedoch zu Unfruchtbarkeit führen. In den Hoden selbst sind allerdings oft Spermien vorhanden. Es konnte in den letzten Jahren gezeigt werden, dass solche Spermien mit technischen Mitteln gewonnen werden und mit einer Eizelle verschmolzen, der Partnerin in die Gebärmutter eingesetzt zu einer normalen Schwangerschaft führen können.
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Bei ausreichender eigener Produktion des männlichen Geschlechtshormons oder, falls nötig, dank einer Ersatzbehandlung mit männlichem Geschlechtshormon sind Männer mit Klinefelter-Syndrom normal sexuell aktiv. Es ist allerdings bekannt, dass vor allem Jugendliche mit Klinefelter-Syndrom während Pubertät und Adoleszenz häufiger psychologische Probleme zeigen als Jugendliche mit normalem Chromosomensatz. Dies bedarf manchmal einer besonderen Betreuung von erfahrenen Jugendärzten und Psychologen.
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