WACHSTUM

ZU KLEIN, ZU GROSS ODER AUSSERHALB DER ÜBLICHEN GRÖSSENNORM?

Welches Mädchen, welcher Junge möchte nicht schön, gross, und kräftig werden wie alle anderen auch? Eltern sorgen sich, da klein- oder grosswüchsige Menschen es im Leben oft schwierig haben.

Dass Kinder wachsen und an Gewicht zunehmen, ist sehr wichtig. Am Wachstum und an der Gewichtszunahme ist direkt ablesbar, ob es dem Säugling, dem Klein- und Schulkind oder dem Jugendlichen gesundheitlich gut geht. Ungenügendes Wachstum und verzögerte körperliche Entwicklung können erste Zeichen einer chronischen Krankheit sein. Die Körpergrösse beeinflusst zudem die psychosoziale Entwicklung unserer Kinder.

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FAMILIÄRE GRÖSSE

ONLINE RECHNER FAMILIÄRE GRÖSSE

Hinweis: Es sind nur Ganzzahlen zwischen 90 und 280 erlaubt.
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Objectif familial simple

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Objectif familial corrigé

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Taille corrigée du sexe de la mère

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Taille corrigée du sexe du père

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WIE ERBEN KINDER IHRE GRÖSSE?

Wie bei der Haarfarbe und bei anderen Aspekten der körperlichen Erscheinung spielt die Vererbung auch bei der Grösse eine wichtige Rolle. Weil die Vererbung den Rahmen für die Körpergrösse absteckt, kann aus der Elterngrösse die sogenannte «familiäre Zielgrösse» berechnet werden.

Dabei wir von einem Grössenunterschied von 13 cm zwischen erwachsenen Männern und erwachsenen Frauen ausgegangen. Es ist aber wichtig, hier zu betonen, dass man auch heute noch sehr wenig Ahnung hat, wie die Endgrösse und die Geschwindigkeit, mit welcher man diese erreicht, vererbt wird. Die Vererbung der Grösse scheint relativ komplex zu sein.

MEHR

Es ist klar, dass grosse Eltern in der Regel eher grosse Kinder und kleine Eltern in der Regel eher kleine Kinder haben. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass kleine Eltern eben grosse Kinder und grosse Eltern kleine Kinder haben. Daran allerdings, dass die Grösse in irgendeiner Form vererbt wird, gibt es keinen Zweifel. Schön wäre es, wenn man genau berechnen könnte, welche Grösse Eltern auf ihre Kinder vererbt haben. So gibt es verschiedene Modelle, welche versuchen, das genetische Grössenpotenzial, also die sog. «familiäre Zielgrösse» einer bestimmten Familie irgendwie zu berechnen. Alle diese Modelle haben ihre Vor-und Nachteile. Die einen sind einfach zum Ausrechnen, die anderen erleichtern das Verständnis und manche sind komplex und deshalb auch genauer, lassen sich aber nur mit dem Computer berechnen.

ZWEI METHODEN KURZ ERKLÄRT

Das genetische Wachstumspotenzial, das ein Kind von seinen Eltern geerbt hat, lässt sich berechnen.

METHODE A) EINFACHE BERECHNUNG

Auf Basis des Geschlechts der Eltern lässt sich relativ einfach eine Zielgrösse bestimmen. Das ist gut zum Erklären und Verstehen.


In einer der erstem systematischen Studien, von James M. Tanner, wurde eine Differenz von 13 cm zwischen erwachsenen Männern und erwachsenen Frauen gefunden. Diese Differenz von 13 cm liegt auch heute noch der Berechnung des potenziell vom Kind geerbten sogenannten familiären Zielgrössenbereiches zugrunde. Man kann vereinfachend sagen:

Ein Mädchen erbt:

  • von ihrem Vater dessen Grösse minus 13 cm
  • von ihrer Mutter deren Grösse

Ein Knabe erbt:

  • von seinem Vater dessen Grösse
  • von seiner Mutter deren Grösse plus 13 cm

MEHR

Wenn das Kind ideal von beiden Eltern genau deren Grösse erben würde und diese Elterngrösse genau je die Hälfte zur Endgrösse des Kindes beitragen würden, dann würden die folgenden beiden Berechnungsformeln gelten:


Die Formel für Mädchen lautet:

Familiäre Zielgrösse = (Grösse des Vaters – 13 cm)/2 + Grösse Mutter/2


Die Formel für Knaben lautet:

Familiäre Zielgrösse = (Grösse der Mutter + 13 cm)/2 + Grösse Vater/2


Oder: (Grösse Mutter + Grösse Vater)/2 + 6.5 cm für Knaben = Zielgrösse Tanner

(Grösse Mutter + Grösse Vater)/2 - 6.5 cm für Mädchen = Zielgrösse Tanner


Aber wie genau ist diese Formel? Am schlechtesten ist sie auf jeden Fall, wenn die Grössen der Eltern weit auseinanderliegen. Nehmen wir ein nicht so extremes Beispiel: Beide Eltern eines Mädchens sind 170 cm gross. Der Vater ist also im Vergleich zu anderen Männern eher klein, die Mutter für eine Frau eher gross. Die Mutter hat ihrer Tochter die volle Grösse von 170 cm in den Genen zur Verfügung gestellt. Der ebenfalls 170 cm messende Vater stellte der Tochter bei der Vererbung seine virtuelle Frauengrösse von 157 cm zur Verfügung, denn wenn er eine Frau wäre, würde er 13 cm weniger messen. Bei der Tochter gibt es einfach ausgedrückt drei Möglichkeiten beim Grössenwachstum: Entweder sie kommt eher nach dem Vater, der Mutter oder sie wird zu einer Mischung beider Eltern.

- Die geschlechtskorrigierte Grösse der Mutter,

also in diesem Beispiel 170cm, weil es ein Mädchen ist. Sie könnte die Grösse der Mutter geerbt haben.

- Die geschlechtskorrigierte Grösse des Vaters,

also in diesem Beispiel 170-13=157cm, weil es ein Mädchen ist. Sie könnte die Grösse des Vaters geerbt haben.

- Die geschlechtskorrigierten Grössen beider Eltern geteilt durch zwei,

also in diesem Beispiel (157cm + 170cm)/2 = 163.5cm, sie könnte ja auch eine optimale Kombination beider Eltern geerbt haben.

Deshalb ist es sinnvoll, drei verschiedene Zielgrössen auf der Wachstumskurve einzutragen. So sieht man auf einen Blick, ob das Kind ungefähr in die Zielgrösse der Eltern hineinwachsen wird.


Der Vollständigkeit halber die Situation eines Sohnes, dessen Vater und Mutter je 170 cm gross sind…

- Die geschlechtskorrigierte Grösse der Mutter,

also in diesem Beispiel 170+13cm=183 cm, weil es ein Knabe ist. Er könnte die Grösse der Mutter geerbt haben.

- Die geschlechtskorrigierte Grösse des Vaters,

also in diesem Beispiel 170cm, weil es ein Knabe ist. Er könnte die Grösse des Vaters geerbt haben.

- Die geschlechtskorrigierten Grössen beider Eltern geteilt durch zwei,

also in diesem Beispiel (183cm + 170cm)/2 = 178.5cm, er könnte ja auch eine optimale Kombination beider Eltern geerbt haben.

METHODE B) EXAKTE BERECHNUNG

Mit der Methode von Cole-Hermanussen lässt sich eine genauere Zielgrösse bestimmen. Diese ist näher an der Realität, jedoch kompliziert zum Rechnen.


cTHSDS = (Vatergrösse in SDS + Muttergrösse in SDS)/2 * 0.72



Die obenstehenden Modelle, um das ererbte Potential an Endgrösse einigermassen erfassen zu können, sind instruktiv zum Verstehen und einfach zum Berechnen, aber sie geben vor allem bei extremen Werten, also bei sehr grossen oder sehr kleinen Eltern, ein zu extremes Bild. Es hat sich nämlich gezeigt, dass viele biologische Prozesse Richtung Mitte tendieren, und das gilt für das Wachstum auch. Im Durchschnitt sind die Nachkommen von sehr grossen Eltern weniger gross als man auf Grund der obigen Berechnungsmodelle denken würde. Das Gleiche gilt für Nachkommen sehr kleiner Eltern. Diese sind im Durchschnitt weniger klein als man erwarten würde. Dies ist in der Formel von Cole-Hermanussen berücksichtigt. Sie kann allerdings nur mit dem Rechner berechnet werden. Auf unseren Auswertungen sind die Resultate aller diese Berechnungsmethoden aufgeführt – unsere Patienten wissen das zu schätzen.


Wie die Vererbung der Körpergrösse wirklich genau abläuft, ist weitgehend unbekannt. Berechnungen ergaben, dass an mindestens vier verschiedenen Stellen des Erbguts Informationen für die Endgrösse lokalisiert sein müssen.

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WACHSTUMSKURVEN

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PERZENTILENKURVEN FÜR DIE PRAXIS

Über 60 Kinderarztpraxen haben zusammen mit uns zwischen 2017 und 2019 über 30'000 Kinder gemessen und gewogen. Nach 40 Jahren ist nun die Schweiz erstmal wieder im Besitz von aktuellen Wachstumskurven (Perzentilenkurven).

Es ist uns gelungen, mit neu erhobenen Daten neue aktuelle Schweizer Wachstumskurven zu erstellen. Die Kurven stehen Ihnen hier bequem zum Download zur Verfügung.

BUCH TAB

Den PEZZ-Wachstumsatlas gibt es im PEZZ-Verlag auch als Buch.

JEDES KIND BRAUCHT EINE WACHSTUMSKURVE

Ist mein Kind für sein Alter zu klein, zu gross, oder befindet es sich im üblichen Durchschnittsbereich? Das einfachste Mittel, um dies herauszufinden, ist die Wachstumskurve.

Die Länge und das Gewicht eines Neugeborenen sind in der Regel Ausdruck davon, wie es dem Kind während der Schwangerschaft im Mutterbauch ergangen ist. Nach der Geburt hat das Kind dann Zeit, sein Wachstum in den ersten beiden Lebensjahren an das Muster anzupassen, dass es in seinen Genen geerbt hat. Nach dem zweiten Lebensjahr findet das Wachstum im ererbten Perzentilenkanal statt.

In den ersten beiden Lebensjahren sind deshalb «Spurwechsel» der Perzentilenkurve bloss Zeichen dieser Anpassung und nicht Hinweise auf eine Wachstumsstörung. Nach dem zweiten Geburtstag sollte dann das Wachstum seine vererbte Spur, den Perzentilenkanal, erreicht haben und diesen Wachstumskanal bis zum Beginn der Pubertätsentwicklung nicht mehr verlassen. Nehmen wir das Beispiel eines Knaben, der mit 2 Jahren auf der 50. Perzentile wuchs. Bis ins Alter von 12 Jahren sollte sein Wachstum nun immer im Bereiche der 50. Perzentile, seinem ererbten Perzentilenkanal, bleiben. Ein Wechsel des Perzentilenkanals wäre ein verdächtiger Hinweis auf eine mögliche Wachstumsstörung.


Der Begriff «Wachstumskurve» ist nicht ganz korrekt. Es handelt sich um eine Grössenvergleichskurve, in der die Grösse eines Kindes oder eines Jugendlichen über Jahre hin mit der Grösse Gleichaltriger verglichen wird - und zwar mit Hilfe von eingetragenen Normalwerten in Form von Perzentilenkurven. Dabei entspricht die 50. Perzentile dem Durchschnittswachstum eines gesunden Kindes. Eine Wachstumskurve ist also eine Graphik, auf welcher mehrere Grössen eines Kindes eingetragen werden können und mit Hilfe von Normkurven, den sog. Perzentilen, verglichen werden können.

MEHR

Man spricht im Wachstum von Wachstumskurven oder Perzentilenkurven.

Beide Ausdrücke meinen dasselbe. Die Perzentilenkurve ist keineswegs etwas Kompliziertes. Es ist ein praktisches, anschauliches Hilfsmittel ohne Geheimnisse. Eltern können die Perzentilenkurve problemlos selbst nachführen und interpretieren. Spezialisten sind übereingekommen, Kinder und Jugendliche mit einer eingetragenen Grösse unterhalb der 3. Perzentilenkurve – also unterhalb der Drei-Prozent-Grenze – als zu klein zu betrachten. Kinder und Jugendliche mit Messwerten, die über der 97. Perzentilenkurve liegen, werden als zu gross eingestuft.


Was bedeutet nun beispielsweise ein Platz auf der 10. Perzentilenkurve? Von insgesamt 100 gleichaltrigen gesunden Kindern des gleichen Geschlechts sind 9 kleiner und 90 grösser. Jedes Kind benötigt eine Wachstumskurve. Zur Beobachtung des Wachstums muss diese Kurve gewissenhaft geführt werden, sei es vom Schularzt, vom Kinderarzt oder von den Eltern. Wer sich um die Kurve kümmert, ist nicht so wichtig. Entscheidend ist vielmehr, dass jedes Kind mindestens einmal pro Jahr möglichst exakt gemessen wird und dass die Messungen auf einer Perzentilenkurve eingetragen oder eingegeben werden. Der Verlauf der Kurve zeigt sehr empfindlich an, ob beim Kind der Wachstumsmechanismus richtig funktioniert, ob also beispielsweise Darm und Nieren keine schwerwiegende Störung aufweisen und bei den Schilddrüsen-, Wachstums-, Nebennieren- und Geschlechtshormonen alles stimmt.

GEWICHTSKURVEN

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PERZENTILENKURVEN FÜR DIE PRAXIS

Über 60 Kinderarztpraxen haben zusammen mit uns zwischen 2017 und 2019 über 30'000 Kinder gemessen und gewogen. Nach 40 Jahren ist nun die Schweiz erstmal wieder im Besitz von aktuellen Wachstumskurven (Perzentilenkurven).

Es ist uns gelungen, mit neu erhobenen Daten neue aktuelle Schweizer Wachstumskurven zu erstellen. Die Kurven stehen Ihnen hier bequem zum Download zur Verfügung.

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Kindliche Adipositas: Übergewicht verstehen und vermeiden

Ein Artikel von Urs Eiholzer

The increase in child obesity in Switzerland is mainly due to migration

DICKER ODER DÜNNER? GEWICHTSKURVEN ALS VERGLEICHSKURVEN

WER WÄCHST, WIR GLEICHZEITIG SCHWERER.

Vielleicht sind Sie als Eltern aber besorgt darüber, dass Ihr Kind möglicherweise dicker oder dünner geworden ist, während es gewachsen ist. Wie finden Sie heraus, ob die Gewichtszunahme im Kindes- und Jugendalter tatsächlich der Grössenzunahme entspricht? Wie können Sie beurteilen, ob Ihr Kind gleich viel zugenommen hat, wie es gewachsen ist? Ähnlich wie bei der Beurteilung der Grösse hilft auch hier eine Vergleichskurve weiter: Die Perzentilenkurve für das Gewicht.

VERLAUFEN WACHSTUM UND GEWICHT GLEICH?

Angenommen das auf der Kurve eingetragene Gewicht liege etwa in der Mitte zwischen der Kurve der 50. Perzentile und der 3. Perzentile, beispielsweise auf der 25. Perzentile. Das würde bedeuten, dass von insgesamt 100 gleichaltrigen Kindern 24 leichter und 75 schwerer sind. Hier wird also das Gewicht wie im Fall der Grösse mit Gleichaltrigen verglichen. Da gibts aber ein Problem. Sobald ein Kind grösser oder kleiner als der Durchschnitt ist, wird die auf das Alter bezogene Gewichtsangabe ziemlich wertlos. Eigentlich wollen wir ja wissen, ob das Gewicht des Kindes bezogen auf seine Grösse normal ist. Wir brauchen also nicht eine Kurve, die das Gewicht in Abhängigkeit vom Alter erfasst, sondern eine Kurve, die das Gewicht bezogen auf die Grösse abbildet, also anstelle der «Gewicht pro Alter»-Kurve brauchen wir eine «Gewicht pro Grösse»-Kurve – und solche Kurven gibt es. Wir haben diese Kurven vor 25 Jahren in Zürich zum ersten Mal berechnet.

MEHR

Wir denken, dass Kurven für «Gewicht pro Grösse» bei wachsenden Kindern den Gewichtsverlauf viel instruktiver und nachvollziehbarer angeben als die in anderen Ländern üblichen Kurven des Body-Mass-Index (BMI). Der BMI ist ein künstliches Mass: Gewicht in Kilogramm geteilt durch die Grösse in Zentimetern im Quadrat (kg/cm2). Weil sich der BMI bei den Erwachsenen als praktikabel erwiesen hat, hat er sich später auch in der Pädiatrie durchgesetzt, und zwar insbesondere im Hinblick auf die Definition von Übergewicht und Adipositas. Es gibt aber gute Gründe «Gewicht pro Grösse» statt den BMI zu verwenden, insbesondere wenn es um die Gewichtsentwicklung über die Zeit geht, wenn die Körpergrösse deutlich vom altersgemässen Durchschnitt abweicht oder bei Kindern unter 2 Jahren. Beide, sowohl die Perzentilenkurve «Gewicht pro Grösse» als auch diejenige des Body-Mass-Index geben uns die gewünschte Information, ob ein Kind normal schwer für seine Grösse ist oder ob es im Verlaufe der Jahre dicker oder dünner geworden ist.

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MESSGENAUIGKEIT

KINDER IMMER ZUR GLEICHEN ZEIT MESSEN

Der Körper schrumpft tagsüber bis 15 mm, weil die Bandscheiben während des Tages an Flüssigkeit verlieren. Nachts, während des Schlafes können sich die Bandscheiben im Liegen wieder regenerieren und ähnlich wie ein Schwamm mit Körperwasser auffüllen. Deshalb ist es wichtig, Kinder immer zur gleichen Zeit zu messen.

IM FAMILIENALLTAG EIGNET SICH DER ABEND FÜR DIE MESSUNGEN AM BESTEN.

Das Kind muss ganz geradestehen, als wäre es ein Soldat an der Parade. Wir wollen nicht einen eingesunkenen Körper messen, sondern den Körper in voller Länge, wenn sich das Kind so gross macht wie möglich. Aber Vorsicht: Junge Kinder haben die Tendenz, dabei auf die Zehen zu treten und die Fersen zu heben. Da ist es zweckmässig, dass eine zweite Person bei der Messung mithilft und beide Füsse des Kindes fest auf den Boden presst. Eine Messeinrichtung stellt bei der Grössenmessung sicher, dass über dem Kopf exakt im rechten Winkel zur Wand gemessen wird.

WENN KEINE MESSEINRICHTUNG ZUR VERFÜGUNG STEHT?

Dann kann man sich mit einem Buch behelfen, mit senkrecht an der Wand anliegendem Buchrücken. Das Buch wird zum obersten Punkt des Kopfes gesenkt. Der untere Rand des Buches wird dann an der Wand mit einem kleinen Bleistiftstrich markiert. Ab Boden kann schliesslich der Strich an der Wand in senkrechter Linie mit dem Metermass abgemessen werden. Sie können den Strich wieder ausradieren oder ihn beibehalten und noch zusätzlich das Messdatum und den Namen des Kindes dazuschreiben. Warum ist es wichtig, ganz exakt zu messen? Sogar in Arztpraxen liegen die Messfehler bisweilen bei 2 bis 3 cm. Die Beurteilung des Wachstums kann durch solche Messfehler verunmöglicht werden. Nehmen wir das Beispiel eines 10-jährigen Kindes, das ungefähr 5 cm im Jahr wächst. Wenn wir das Kind zweimal pro Jahr messen, dann finden wir jeweils eine Differenz von 2,5 cm. Bei einem Messfehler von 2,5 cm ist es unmöglich zu beurteilen, ob das Wachstum im letzten Jahr normal war.

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KNOCHENALTER

GLEICHES ALTER - ABER BIOLOGISCH NICHT GLEICH ALT

Als Kind bei den Kleinsten – als Erwachsener durchschnittlich gross. Als Kind bei den Grössten – als Erwachsener keineswegs grossgewachsen. Von solchen Entwicklungen haben Sie in Ihrem Bekanntenkreis zweifellos auch schon gehört. Aber wie kommt es dazu? Wie lässt sich dieses Paradox erklären? Kinder können gleich alt sein, aber unterschiedlich bezüglich der Knochenreifung (biologisches Alter).

DER SPRINGENDE PUNKT IST DIE PUBERTÄTSENTWICKLUNG

Genau genommen ist es der Zeitpunkt, zu dem die Pubertät beginnt. Wenn die Pubertät früh beginnt, ist das Wachstum früh zu Ende. Beginnt dagegen die Pubertät erst spät, dann endet das Wachstum ebenfalls erst spät.


Betroffene werden also immer noch wachsen, wenn alle Gleichaltrigen bereits ausgewachsen sind. Es gibt also «Frühentwickler» und «Spätentwickler». Im medizinischen Jargon heisst das «konstitutionelle Verzögerung» oder «konstitutionelle Beschleunigung von Wachstum und Pubertätsentwicklung». Wieder ist die Vererbung am Werk, denn der «Fahrplan», also die Tendenz, sich früh oder spät zu entwickeln, wird vererbt. Die gleichen «Fahrplanmuster» wiederholen sich in den gleichen Familien immer wieder. Eine durchschnittlich grosse Mutter berichtet: «Ich war in der Schule immer die Kleinste und bin sehr lange gewachsen. Meine erste Periode hatte ich erst mit 16 Jahren. Und jetzt gehört meine Tochter auch zu den Kleinen.»

MEHR

Wie es beim Wachstum weitergehen wird, kann man bereits ab dem Vorschulalter mehr oder weniger genau voraussagen. Schon ab dem zweiten Geburtstag kann man das biologische Alter mit Hilfe eines Handröntgenbildes bestimmen. Dabei geht es nicht, wie viele denken, um die Grösse oder die Länge der einzelnen Handknochen, sondern um ihre dreidimensionale Form. Diese wird vom Betrachter aus dem zweidimensionalen Handröntgenbild herausgelesen.

DIE FORM JEDES HANDKNOCHENS

Sie wird einem bestimmten Reifestadium zugeordnet. So kommen je nach Methode die Reifestadien von 13 oder 20 verschiedenen Handknochen zusammen, welche dann so gut wie möglich gemittelt werden. Die so berechnete Knochenreifung widerspiegelt das biologische Alter. Mit zunehmendem Alter wird die Bestimmung des biologischen Alters immer genauer. Aus dem Handröntgenbild kann man die zukünftige Erwachsenengrösse ablesen.

MEHR

Es handelt sich um eine wissenschaftlich fundierte, ganz seriöse Methode. Aufgrund des Handröntgenbildes können erfahrene Ärzte berechnen, wann ungefähr die Pubertätsentwicklung beginnen wird, ob sie früh oder spät einsetzen wird.

WENN SICH DER KÖRPER NICHT AN DIE ZEIT HÄLT

Bei einigen Kindern hält sich der Körper nicht so genau an die Zeit, die durch Uhren und Kalender vorgegeben wird. Wenn es der Körper eilig hat, lässt er die Entwicklung beschleunigt ablaufen, das biologische Alter ist dem chronologischen Alter voraus, die Pubertät beginnt früher und das Kind ist früher ausgewachsen. Umgekehrt kann der Körper ein sehr gemächliches Tempo vorgeben, die Entwicklung verläuft verzögert, die Pubertät beginnt verspätet, das Kind wächst länger und ist erst später ausgewachsen als der Durchschnitt der Gleichaltrigen – und zwar in der Regel ohne irgendeine krankhafte Störung.

BESTIMMUNG DES KNOCHENALTERS

Zur Bestimmung des Knochenalters stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Seien Sie vorsichtig: Es gibt nicht sehr viele Ärzte, welche genug Erfahrung haben, um aus einem Handröntgenbild mit ausreichender Sicherheit das Knochenalter zu bestimmen. Es braucht sehr viel Erfahrung dazu. Nur wer jedes Jahr mehr als hundert Knochenalter bestimmt und dabei verschiedene Methoden verwendet, verfügt über genügend Erfahrung, um das Knochenalter zuverlässig zu bestimmen und daraus die zukünftige Erwachsenengrösse zu errechnen. Dies ist auch die Erklärung dafür, weshalb viele junge Erwachsene enttäuscht sind, dass sie nicht so gross geworden sind, wie sie erwartet haben; «Mein Arzt hat mir doch damals vorausgesagt, dass ich 180 cm gross werde und jetzt bin ich nur 165 cm und wachse nicht mehr weiter…»

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WACHSTUMSPROGNOSE

WACHSTUM UND WACHSTUMSPROGRNOSE

Bei der Beratung von Wachstumsproblemen nimmt die Bestimmung des sogenannten Knochenalters und die Berechnung der voraussichtlichen Erwachsenengrösse eine zentrale Rolle ein.

Wenn immer möglich wird das Knochenalter nach den Methoden von Greulich-Pyle und Tanner (TW2 und TW3) bestimmt und die Wachstumsprognosen nach Bayley-Pinneau, Roche und Tanner (TW2 und TW3) berechnet. Zusätzlich wird eine Beurteilung der klinischen Situation vorgenommen, soweit dies auf Grund der zur Verfügung gestellten Daten möglich ist.

WIE ZUVERLÄSSIG SIND DIE SOGENANNTEN WACHSTUMSPROGNOSEN?

Wenn man mit einem Handröntgenbild das biologische Alter bestimmt hat, dann kann man den weiteren Verlauf von Wachstum und biologischer Entwicklung einigermassen voraussagen. Man weiss dann, wann die Pubertätsentwicklung und der Pubertätswachstumsspurt ungefähr einsetzen werden, wie lange das Wachstum andauern wird, und man kann auch Voraussagen über die zu erwartende Erwachsengrösse machen. Es gibt für solche Berechnungen verschiedene Methoden.

GENAUIGKEIT

Ihre Genauigkeit hängt davon ab, ob das weitere Wachstum einigermassen durchschnittlich weitergeht. Nicht-durchschnittlich verläuft das Wachstum zum Beispiel, wenn die Körperproportionen sehr auffällig sind oder wenn das betreffende Kind als SGA, also als ‘small for gestational age’ auf die Welt gekommen ist.

MEHR

Ein grosser Prozentsatz der SGA-Kinder wächst nicht ganz so wie die meisten anderen Kinder. Oft machen diese mit 8-10 Jahren einen kleinen Wachstumsspurt. Leider bringt in solchen Fällen der Pubertätswachstumsspurt dann weniger zusätzliche Grösse als bei den meisten anderen Kindern. Dies führt dann dazu, dass die Erwachsengrösse kleiner ist als ursprünglich berechnet. Dass dies so ist, wissen wir erst seit einigen Jahren, nachdem wir die Fälle von Kindern genauer analysiert haben, welche nicht die von uns vorausberechnete Grösse erreicht haben.

KNOCHENALTERBESTIMMUNG

Bisher haben wir hier also von biologisch speziellen Verläufen gesprochen. Es gibt noch eine andere, viel häufigere Fehlerquelle. Alle Methoden, Wachstumsprognosen zu berechnen, hängen ganz zentral von der Genauigkeit der Knochenalterbestimmung ab. Die Bestimmung des Knochenalters ist keine einfache Sache. Es geht darum, die Reife von 13 oder 20 Handknochen zu analysieren. Es geht also nicht um die messbare Grösse oder Länge der Handknochen, sondern um die Beurteilung ihrer dreidimensionalen Form, welche verschiedenen Reifestadien zugeordnet werden muss.

MEHR

Je erfahrener Derjenige ist, der das Handröntgenbild beurteilt, desto genauer sind die Wachstumsprognosen - und zwar unabhängig von der verwendeten Methode. Im Knochenalter-Lesen erfahrene Ärzte nutzen meist auch mehrere Methoden gleichzeitig, weil sie aus den Unterschieden der einzelnen Methoden wiederum Schlüsse auf die Zuverlässigkeit in einem konkreten Fall ziehen können. Die grösste Erfahrung im Knochenalter- Lesen findet man in der Regel bei den Fachärzten für pädiatrische Endokrinologie, den Fachleuten für Wachstum und Hormonstörungen.

JE NORMALER EIN KIND WÄCHST, DESTO GENAUER SIND DIE WACHSTUMSPROGNOSEN.

Ganz allgemein kann man auch sagen, dass je normaler ein Kind wächst, desto genauer sind die Wachstumsprognosen. Aber am häufigsten interessiert die zukünftige Erwachsenengrösse ja nicht bei durchschnittlichem Wachstum, sondern bei Kindern mit auffälligem Wachstum. Wachstumsprognosen sind eine Art ’Abfallprodukt’ der Knochenalter-Bestimmung. Wir brauchen ja das Knochenalter hauptsächlich dafür um herauszufinden, ob ein Kind eine Krankheit, eine Wachstumsstörung hat und wenn ja, um was für eine es sich handeln könnte.

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GENETISCH BEDINGTE WACHSTUMSSTÖRUNGEN

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Fachzeitschrift Pädiatrie 2023

Tagesanzeiger 2024

Ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist die Beratung, ob eine genetische Abklärung sinnvoll ist. Das Wachstum wird massgeblich durch genetische Faktoren gesteuert – etwa 80 % der Wachstumsvariationen lassen sich genetisch erklären, wobei meist mehrere Gene beteiligt sind. Häufige genetische Varianten (die bei weniger als 5 % der Bevölkerung vorkommen) tragen zu etwa 50 % der Unterschiede in der Endgrösse bei. Zwar sind noch nicht alle relevanten Gene bekannt, doch diese Wissenslücke wird in den kommenden Jahren weiter geschlossen.

Schwere Wachstumsstörungen hingegen sind oft auf seltene genetische Varianten zurückzuführen. Je kleiner ein Kind ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine monogene Veränderung oder eine seltene Variante eines einzelnen Gens die Ursache ist. Unsere Beratung zu möglichen genetischen Wachstumsstörungen ist verständlich und ergebnisoffen – sie soll nicht zu einer bestimmten Entscheidung drängen. Wie jede medizinische Untersuchung haben auch DNA-Analysen ihre Grenzen: Meist werden nur die häufigsten genetischen Veränderungen erkannt. Selbst wenn eine genetische Veränderung festgestellt wird, lässt sich oft nicht sicher vorhersagen, ob und wann eine Erkrankung tatsächlich ausbricht.


Aus unserer langjährigen Erfahrung wissen wir, wann ein Gentest als nächster Schritt sinnvoll ist. Falls ausreichend Hinweise vorliegen, veranlassen wir – je nach Fragestellung – eine genetische Analyse bei Genetica.


Genetica bietet modernste Verfahren der Molekulargenetik (Genanalysen) und Zytogenetik (Chromosomenanalysen) an. Das Analysenspektrum beinhaltet alle relevanten Methoden der modernen Molekulargenetik (NGS, Array-CGH, NIPT, Optical Genome Mapping, etc.) sowie die klassischen Zellkulturverfahren zur Chromosomendiagnostik aus Chorionzotten, Fruchtwasser, und Blut.

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