Die Schweiz hat wieder eigene Wachstumskurven

43'290 Kinder aus allen Sprachregionen bestätigen: Schweizer Kinder sind heute kaum grösser als vor 50 Jahren – aber deutlich schwerer. Die neuen Wachstumskurven vom PEZZ ersetzen die WHO-Referenzen und ermöglichen eine präzisere Beurteilung von Wachstum und Gewicht.

Auf einem Blick

  • Die neuen Wachstumskurven beruhen auf den Daten von über 43'000 Schweizer Kindern und Jugendlichen.
  • Die WHO-Kurven setzen die untere Grössen-grenze in einzelnen Altersgruppen bis zu 4 cm zu niedrig an.
  • Valide Schweizer Referenzdaten lagen bereits 2019 vor; wurden jedoch von pödiatrie schweiz erst sieben Jahre später eingeführt.
  • Die Körpergrösse der in der Schweiz wohnhaften Bevölkerung hat sich in den letzten 70 Jahre kaum mehr verändert.
  • Deutliche Veränderungen zeigen sich allerdings im BMI. Dieser hat hauptsächlich getrieben durch die Migration aus dem Süden zugenommen.

Warum neue Wachstumskurven?

  • Für eine genaue Beurteilung des Wachstums braucht es Daten aus der eigenen Bevölkerung.
  • Die Schweizer Prader-Kurven basierten auf 274 Kindern der Geburtsjahrgänge 1954–1956.
  • Die seit 2011 in der Schweiz verwendeten WHO-Kurven beruhen auf internationalen Daten von Kindern aus Brasilien, Ghana, Indien, Norwegen, Oman und den USA sowie auf US-amerikanischen Geburtsjahrgängen der Jahre 1949 bis 1969 und bilden das Wachstum heutiger Schweizer Kinder nur unzureichend ab.


  • Die untere Normgrenze (3. Perzentile) liegt bei den WHO-Kurven je nach Alter bis zu 4 cm tiefer als bei den neuen Schweizer Referenzwerten. Dadurch können Kinder mit behandlungsbedürftigen Wachstumsstörungen erst später erkannt werden.
  • Mit den WHO-Kurven wurden in der Schweizer Pädiatrie während Jahren Wachstumskurven verwendet, die weder an Schweizer Kindern validiert noch repräsentativ für die heutige Schweizer Bevölkerung waren.
  • Die neuen Referenzen basieren auf aktuellen Schweizer Daten von mehr als 43'000 Kindern und Jugendlichen.

Die wichtigsten Ergebnisse

Über 43'000 Kinder und Jugendliche wurden gemessen

Die Kurven beruhen auf Grössen- und Gewichtsmessungen von über 43 000 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der ganzen Schweiz. Bei einer Wohnbevölkerung von rund neun Millionen bedeutet dies, dass etwa jeder 210. Einwohner und jedes 40. Kind für diese Studie gemessen und gewogen wurde. Bezogen auf die Einwohnerzahl ist dies europaweit einer der grössten Datensätze.

Schweizer Kinder sind heute kaum grösser als vor 50 Jahren

Im Vergleich mit den historischen Prader-Kurven zeigt sich, dass die Körpergrösse Schweizer Kinder weitgehend stabil geblieben ist. Kinder wachsen heute zwar früher und machen ihren Wachstumsschub früher als frühere Generationen, die Erwachsenengrösse hat jedoch nur geringfügig zugenommen.Die durchschnittliche Endgrösse beträgt heute rund 178 cm bei Männern und 166 cm bei Frauen – lediglich etwa 1 cm mehr als in der Prader-Generation.

Die eigentlichen Veränderungen betreffen heute nicht die Grösse, sondern das Gewicht

Während sich die Körpergrösse in den letzten Jahrzehnten kaum verändert Im Vergleich mit den historischen Prader-Kurven zeigt sich, dass die Körpergrösse Schweizer Kinder weitgehend stabil geblieben ist. Kinder wachsen heute zwar früher und machen ihren Wachstumsschub früher als frühere Generationen, die Erwachsenengrösse hat jedoch nur geringfügig zugenommen.Die durchschnittliche Endgrösse beträgt heute rund 178 cm bei Männern und 166 cm bei Frauen – lediglich etwa 1 cm mehr als in der Prader-Generation.

Migration beeinflusst die Körpergrösse kaum – den BMI aber deutlich

Die Studie zeigt, dass die Körpergrösse von Kindern in der Schweiz unabhängig vom Migrationshintergrund erstaunlich ähnlich ist. Anders verhält es sich beim BMI: Kinder mit familiären Wurzeln in Süd- und Südosteuropa weisen deutlich höhere BMI-Werte und eine höhere Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas auf als Kinder mit zwei Schweizer Eltern.

Besonders bemerkenswert ist, dass Kinder mit zwei Schweizer Eltern heute kaum schwerer sind als frühere Generationen. Erst die Analyse nationaler Daten macht sichtbar, dass die Zunahme von Übergewicht nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermassen betrifft.

Warum nationale Daten unverzichtbar sind

Die neuen Wachstumskurven zeigen, dass sich wichtige Entwicklungen nur erkennen lassen, wenn Kinder mit Daten aus der eigenen Bevölkerung verglichen werden. Nationale Referenzdaten ermöglichen nicht nur die frühere Erkennung von Wachstumsstörungen, sondern helfen auch, Veränderungen bei Gewicht und Gesundheit besser zu verstehen und gezielte Präventionsmassnahmen zu entwickeln.

Knochenalter

Hintergrundinformationen

Eine detaillierte Beschreibung der Studie und der Resultate auf Deutsch, finden Sie hier als PDF.

Fragen und Antworten zu den Wachstumskurven finden Sie hier als PDF.

Den Presserohstoff finden Sie hier als PDF.

Pädiatrie schweiz hält bei Kindern unter zwei Jahren an den WHO-BMI-Kurven fest. WESHALB?

Die Kommission Wachstum von pädiatrie schweiz hat beschlossen, bei Kindern unter zwei Jahren weiterhin die WHO-BMI-Kurven zu verwenden und nicht die neuen Schweizer PEZZ-BMI-Kurven.

Der Entscheid fiel nicht aufgrund einer wissenschaftlichen Debatte oder einer fachlichen Bewertung der Vor- und Nachteile, sondern nach einem Antrag der Arbeitsgruppe Adipositas im Rahmen einer E-Mail-Abstimmung: Acht Mitglieder stimmten dafür, zwei dagegen, zwei enthielten sich. Dabei ist die Anwendung des BMI in den ersten beiden Lebensjahren seit Jahren umstritten. Das PEZZ hatte der Kommission die wissenschaftlichen Argumente gegen die Verwendung des BMI bei Säuglingen und Kleinkindern ausführlich dargelegt und im Einklang mit der internationalen Literatur dafür plädiert, «Gewicht pro Länge» anstatt des BMI zu verwenden. Eine Diskussion dieser wissenschaftlichen Argumente mit den entsprechenden Fachpersonen fand jedoch nicht statt.


Der BMI wurde ursprünglich für Erwachsene entwickelt. Bei kleinen Kindern verändern sich Körpergrösse, Körperproportionen sowie Fett- und Muskelanteil während des Wachstums laufend. Dadurch kann der BMI insbesondere in den ersten beiden Lebensjahren zu Fehlinterpretationen führen.


Hinzu kommt, dass Messfehler der Körperlänge den BMI besonders stark beeinflussen. So kann ein Messfehler

von ±2 cm beim BMI zu einer Verschiebung von bis zu

40 Perzentilenpunkten führen.

So kann ein Messfehler von ±2 cm beim BMI zu einer Verschiebung von bis zu 40 Perzentilenpunkten führen.

Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Längen-messung im Praxisalltag jedoch schwierig und mit Unsicherheiten behaftet.


Deshalb beschreibt die Kurve «Gewicht pro Länge» den Ernährungszustand von Kindern in den ersten Lebensjahren zuverlässiger als der BMI. Diese Methode wird seit Jahrzehnten in der Pädiatrie verwendet und basiert direkt auf dem Vergleich mit gleich grossen Kindern. Die Zahlen für die Kurven ‘Gewicht pro Grösse’ wurden im Zürcher Kinderspital bereits zu Beginn der 1980er Jahre aufbereitet.


Zusätzlich schafft der Entscheid ein neues Problem: Bis zum Alter von zwei Jahren sollen WHO-BMI-Kurven verwendet werden, danach Schweizer Referenzkurven. Damit werden zwei unterschiedliche Referenzsysteme miteinander kombiniert. Dies erschwert die Interpretation der Wachstumskurven und verunsichert Eltern unnötig. Eltern möchten wissen, wie sich ihr Kind im Vergleich zu anderen Kindern in der Schweiz entwickelt.


Für die Altersgruppen 2 bis 18 Jahre werden nun endlich die falschen WHO-BMI-Kurven abgeschafft und durch Schweizer Daten ersetzt. Es ist unverständlich, dass nun die WHO-BMI- Kurven ausgerechnet, für die unter 2-Jährigen weiterbenutzt werden sollen. Die Position des PEZZ lautet:

Für die Beurteilung von Über- und Untergewicht in den ersten beiden Lebensjahren liefert die Kurve «Gewicht pro Länge» die verlässlichste Aussage über die Ernährungs-situation von Kindern in der Schweiz.

Bestellformular Atlas Wachstum

Der Atlas Wachstum 2026 basiert auf den neuen Schweizer Wachstumskurven von Eiholzer et al. (2025), die von pädiatrie schweiz als nationale Referenz für Grösse, Gewicht und BMI übernommen und empfohlen wurden.

Der Atlas ist weit mehr als eine Sammlung von Referenzwerten und Perzentilenkurven. Er wurde als praxisorientiertes Arbeitsinstrument für Kinderärztinnen und Kinderärzte entwickelt und unterstützt die Beurteilung von Wachstum und Gewicht im klinischen Alltag. Neben den Referenzkurven für Grösse, Gewicht, BMI und Gewicht pro Grösse enthält der Atlas eine Toolbox mit

praktischen Empfehlungen zur Anwendung und Interpretation der Kurven. Themen sind unter anderem die Bedeutung der 3. Perzentile, der Umgang mit Perzentilenwechseln, die Interpretation der Wachstumsgeschwindigkeit sowie die Beurteilung von BMI

und Gewicht pro Grösse.

Ein zweiter Teil bietet weiterführende Informationen zu Wachstumsgeschwindigkeit, Sitzhöhe, Beinlänge und Kopfumfang sowie Vergleiche mit den Nachbarländern, der WHO und den Herkunftsländern wichtiger Einwanderungsgruppen. Diese Daten sind für die tägliche Praxis meist nicht erforderlich, können jedoch für Spezialisten und wissenschaftlich Interessierte wertvolle Zusatzinformationen liefern.

Der Atlas richtet sich an Kinderärztinnen und Kinderärzte, Fachpersonen im Gesundheitswesen sowie alle, die sich vertieft mit Wachstum und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beschäftigen.

Schritt 1 von 2

Das Buch zu den Wachstumskurven

Die neuen Schweizer Wachstumskurven / Urs Eiholzer, Anika Stephan, Chris Fritz, Ilja Dubinski, Kees Noordam

Presseunterlagen und Kontakt

Bei Fragen kontaktieren Sie bitte:

Christiane Fritz, Geschäftsleitung

Tel: +41 44 364 37 04

E-Mail: hc.zzepobfsctd-3476e8@ztirf.sirhc

Prof. Dr. med Urs Eiholzer, Institutsleiter

Tel: +41 44 364 37 05

E-Mail: hc.zzepobfsctd-977658@rezlohie.sru

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Pressefotos von Urs Eiholzer finden Sie hier und hier