Diskurs: Neue Schweizer Wachstumskurven

Weil wir überzeugt waren, dass es in der Schweiz neue Wachstumskurven braucht, haben wir zwischen 2017 und 2019 in Eigeninitiative eine umfangreiche Datensammlung und -analyse durchgeführt.

Es ist uns gelungen, mit insgesamt 62 praktizierenden Kinderärzten in 34 Praxen zwischen Bodensee und Vierwaldstättersee über 14'500 Wachstumsdaten von Kindern in der Schweiz zu sammeln. Ergänzt wurden diese Daten durch über 4'900 Messungen des PEZZ in 25 Schulen, Daten von Schulärzten, dem Bundesamt für Statistik und der Rekrutenerhebungen der Schweizer Armee. Das Ergebnis sind neue aktuelle Schweizer Wachstumskurven, die viel besser auf das Wachstum von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz passen, als die 2011 übernommenen WHO-Kurven.

 

Im Oktober 2019 wurden die Ergebnisse in der englischen Fachzeitschrift “Annals of Human Biology” publiziert. Die Studie mit dem Titel "Contemporary height, weight and body mass index references for children aged 0 to adulthood in Switzerland compared to the Prader reference, WHO and neighbouring countries" ist hier abrufbereit und hat von allen Seiten hohe wissenschaftliche Qualität bestätigt bekommen.

Umso befremdeter sind wir, dass ein regelrechter Machtkampf von den einzelnen Fachgesellschaften losgetreten wurde, um mit nicht wissenschaftlichen Argumenten, die neuen Wachstumskurven auszubremsen.

Zur Rechtfertigung wurde zwei «internationale Gutachten» eingeholt, die sich später als subjektive Meinungen aus den USA und UK herausstellten, wovon der englische Vertreter als grosser WHO-Verfechter bekannt ist. Als Hauptargument gegen die neuen Wachstumskurven wurde die fehlende Repräsentativität vorgebracht. Wie absurd das ist, erschliesst sich sofort bei der Gegenüberstellung der aktuellen Kurven im Vergleich mit den WHO-Kurven, von denen keine gemessene Person aus der Schweiz stammt.

Die Pädiatrica, das offizielle Informationsbulletin der SGP, weigert sich bis heute Erkenntnisse der Studie zu veröffentlichen und hat zwei Artikel zu den Wachstumskurven abgelehnt. Sie fungiert als Sprachrohr des Vorstandes und zensuriert. Dabei lesen viele Schweizer Kinderärzte keine Originalartikel sondern erwarten, dass ihre Fortbildungszeitschrift alle für ihre Arbeit relevanten Forschungsresultate kommuniziert.

Das Wachstum unterscheidet nicht nur das Kind vom Erwachsenen, sondern ist ein zentraler Parameter für Gesundheit und als Basisdiagnostik vielen Laboruntersuchungen überlegen. Wachstums-Normwerte haben aber auch eine rechtliche Funktion und Implikationen für das Gesundheitswesen. Eigentlich bräuchten die neuen Wachstumskurven weder eine Bestätigung noch einer Zustimmung einer Fachorganisation. Unsere Forderung an letztere besteht einzig darin, dass eine Fachorganisationen wie die SGP die neusten wissenschaftliche Erkenntnisse unserer Studie zur Kenntnis nehmen und die aktuellen Wachstumskurven den Kinderärzten im Sinne einer qualitativ hochstehenden medizinischen Versorgung der Bevölkerung zur Anwendung empfehlen.

Für den interessierten Leser möchten wir hier den Austausch mit der SGP/ SGPED transparent machen:

  1. Antwort des Präsidenten der SGP nach Erscheinen der Studie 
  2. Gutachten von Adda Grimberg
  3. Gutachten von Ken Ong
  4. Point to Point" Antworten zu den beiden Gutachten
  5. Brief und Antrag an den Vorstand der SGPED

Download neue Schweizer Wachstumskurven